5 Insolvenzgründe und Schutz

Diese 5 Insolvenzgründe können jeden Unternehmer treffen & wie Sie sich schützen

Als Steuerberater analysiere ich täglich die Insolvenz-Risiken verschiedener Unternehmen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen die häufigsten Gründe für Insolvenzen nennen und Ihnen zeigen, wie Sie Ihren Betrieb davor schützen können.

#1. Schlechte Finanzierung

Der Traum vom Unternehmertum ist je nach Branche mit unterschiedlich hohen Kapitalerfordernissen verbunden. Viele Unternehmer machen hier Fehler in der Finanzplanung im Allgmeinen und in der Liquiditätsplanung im Besonderen.

Das Resultat ist oft ein zu hohes durchschnittliches Zahlungsziel mangels gutem Forderungsmanagement.

#2. Schlechtes Mitarbeitermanagement

Die richtigen Mitarbeiter und die richtige Anzahl an Mitarbeiter zu finden ist eine der schwierigsten Herausforderungen für viele Unternehmer. Die Punkte, die schiefgehen können sind mannigfaltig:

  • zu viel Fluktuation im Mitarbeiterstamm
  • zu wenig gut ausgebildete Mitarbeiter
  • keine ausreichenden Fortbildungsmöglichkeiten im Unternehmen
  • keine ausreichenden Bindungsanreize an das Unternehmen
  • zu wenig Motivation der Mitarbeiter
  • zu hohe Mitarbeiterkosten

Bitte verstehen Sie diese Liste nur als Gedankenanreiz. Sie ist fast beliebig fortführbar, je nachdem welches insolvenzgefährdete Unternehmen mit schlechtem Mitarbeitermanagement sie beleuchten wollen.

Das Resultat von schlechtem Mitarbeitermanagement ist allerdings stets das gleiche: Sie haben als Unternehmer zu hohe Kosten und gleichzeitig zu wenig Nutzen durch Ihren Mitarbeiterstamm.

Weist Ihr Stamm beispielsweise eine zu hohe Fluktuation auf, so entstehen Ihnen andauernd neue Einschulungskosten. Hier gilt es als Unternehmer darüber nachzudenken, welche Rahmenbedingungen man schaffen müsste, damit die Fluktuation abnimmt und sie über Jahre hinweg produktive, zufriedene und treue Mitarbeiter halten können.

#3. Schwächelndes Kundenmanagement

Insolvenzgefährdete Unternehmer haben in Bezug auf den Kundenstock meist nur 2 Probleme: Sie haben entweder zu wenige Kunden oder die falschen Kunden.

Wenn Sie zu wenige Kunden haben, liegen eventuell Probleme in der Planung der Akquise-Tätigkeiten (Bsp. Marketing) oder in der Produktentwicklung (Verhältnis Angebot vs. Nachfrage) vor. Das kann Sie zudem noch in eine Abhängigkeit gegenüber diesen wenigen Kunden treiben. Dadurch schaffen Sie sich diesen Kunden gegenüber selbst einen Preisdruck und müssen sich eventuell unter Wert verkaufen.

Das Resultat: Haben Sie die falschen Kunden, bedeutet das für Sie, dass der Ressourcenverbrauch dieser Kunden den Nutzen übersteigt. Dann verdienen Sie meist zu wenig für die Arbeit, die Ihr Unternehmen leistet.

#4. Schlechtes Management der internen Prozesse

Die internen Prozesse sind einer der oft vernachlässigten Kostentreiber in einem Unternehmen. Die fehlende Bestimmung von Workflows bzw. die fehlende Vereinheitlichung von Prozessen kann Unmengen an Geld verschlingen, indem bestimmte Arbeitsschritte doppelt und dreifach und andere gar nicht ausgeführt werden.

Bei vielen insolvenzgefährdeten Betrieben zeigt sich, dass Company-Manuals (Prozesshandbücher des Unternehmens) nicht vorhanden sind. In allen steuerrechtlichen Belangen empfiehlt sich dafür beispielswese die Einrichtung eines Tax-CMS.

Das Resultat: Sie haben „unsichtbare“ Kostentreiber, die sich Ihrer Kontrolle entziehen.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in folgenden 3 Blogbeiträgen:

#5. Mangelnde Differenzierung

Dieser Aspekt geht sehr weit in die Produktentwicklung und auch das Marketing hinein, aber er ist aus unternehmerischer Sicht immens wichtig. Er ist nämlich ebenfalls einer der häufig unterschätzten Insolvenzgründe.

Die Argumentation folgt dem Motto: „Wenn du bist wie jeder andere, kann ich auch den anderen nehmen.“ Oder anders gesagt: „Sei nicht (nur) besser als die anderen, sei (vor allem) anders.“

Das Resultat: Ohne Differenzierungen haben Sie meist Probleme im Kundenmanagement und im Mitarbeitermanagement.

Wie geraten Unternehmen in diese Insolvenzgefahren?

Die Ursache(n) sind stets in einem Versagen auf einer der vier Ebenen des unternehmerischen Denkens und Handelns zu finden:

  1. Geistige Ebene: Nachdenken über Sinn, Vision, Ziele, Wertesystem, Gesundheit
  2. Strategische Ebene: Analyse und Planung des Kräfteeinsatzes
  3. Operative Ebene: Durchführung des Geschäftsauftrages
  4. Finanzielle Ebene: Umgang mit der Ernte

Woher kommt die Gefahr? Wie können Sie sich schützen?

Das größte Problem bei Unternehmensgründungen oder -übernahmen ist das fehlende Konzept. Viele Unternehmer denken, sie könnten einfach „drauf los“ arbeiten.

Damit Sie nicht in den Abwärtssog einer drohenden Insolvenz geraten, sollten Sie sich die nachfolgenden Grundkenntnisse über die auf den Erfolg eines Unternehmens wirkenden Größen aneignen und nach deren Schlussfolgerungen handeln:

1. Darwinsches Prinzip: Nur derjenige, der sich am schnellsten an die neue Situation anpasst, überlebt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der ehemalige Analogfilmhersteller Kodak aus den USA. Der Weltkonzern musste am 19. Januar 2012 einen Insolvenzantrag stellen. Erst mit Abstoßen des alten Basisgeschäfts und einer Neuausrichtung wurde der Konzuern rund 1,5 Jahre später aus dem Gläubigerschutzverfahren entlassen.

Das Unternehmen erlebte einen riesigen Einschnitt vom einstigen Weltmarktführer bis hin zum Pennystock am Aktienmarkt, weil es nicht auf die Marktveränderungen reagiert hatte.

2. Das Gesetz der Kybernetik: Die Kybernetik ist die Wissenschaft der effektiven Steuerung und Regelung von Maschinen, Organismen und Organisationen (z.B.: Unternehmen).

Die Erkenntnisse für Unternehmen kurz zusammengefasst: Je größer ein Unternehmen wird, je zentraler müssen die Prozesse gesteuert werden. Dahinter steckt das Kybernetik-Prinzip: „Konzentriere deine Kräfte besser spitz statt breit und du wirst deine Wirkung vervielfachen.“

3. Zielsetzung: Wenn Sie sich als Unternehmer Ziele setzen, können Sie Ihre Arbeit auch daran messen. Ohne Ziel wissen Sie nicht, wo Sie hin möchten. Sie irren praktisch orientierungslos umher.

Wichtig ist dabei, dass Sie sich sinnvolle Ziele setzen – am besten nach dem SMART-Prinzip. Das heißt Ihre Ziele sollten spezifisch (S), messbar (M), ansprechend (A), realistisch (R) und terminiert (= zeitlich fixiert, T) sein.

4. Einflussfaktoren: Dabei gilt es die wichtigsten Gründe für Insolvenzen im Auge zu behalten und ständig weiter zu entwickeln. Sie sollten also auf eine gesunde Finanzierung, einen starken Mitarbeiterstamm, die richtigen Kunden und solide interne Prozesse achten.

5. SWOT-Analyse + Liquiditätsplanung: SWOT steht für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Bedrohungen). In einer ausführlichen Analyse können Sie sich so gegen Bedrohungen rüsten und wissen woran Sie arbeiten müssen, um alle unternehmerischen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Unternehmer, die solche Analysen regelmäßig durchführen, sind in der Regel deutlich besser auf die Geschehnisse am Markt vorbereitet als andere und schlittern daher seltener in Insolvenzen.

Fazit: Wer die Gefahr kennt, kann reagieren

Als Unternehmer machen Sie sich vermutlich nur ungern Gedanken über das Scheitern. Fakt ist aber: Nur wenn Sie die Gefahr kennen, können Sie angemessen reagieren. Und wenn Sie in der Lage sind zu reagieren, dann können Sie Ihre Risiken einer Insolvenz maßgeblich reduzieren.

Übrigens: Die „Großen“ machen das alle schon immer so. Sie befolgen die Regeln unternehmerischen Denkens. Die kleinen und Mittelständler (=KMUs), machen das nicht oder nur sehr vereinzelt. Das ist bedauerlich, weil Erfolg durch diese Maßnahmen quasi sicher ist bzw. gesichert bleiben kann.

Auch nur deswegen lässt sich erklären, warum Unternehmen wie Thyssen Krupp, Mercedes oder andere „Riesen“ erfolgreich bleiben, obwohl sie nicht mehr von jemanden geführt werden, der das Unternehmens aufgebaut oder gegründet hat.

Das Thema unternehmerisches Handeln und entsprechende Maßnahmen über die gesamte Bandbreite hatte ich erstmalig im Jahr 1998 mit einem KMU, das 2000 an die Börse ging und 2003 an eine US-Firma veräußert wurde,  erfolgreich als Unternehmensberater begleitet.

So nüchtern das klingt: Am Ende befolgen Sie alle die Regeln unternehmerischen Denkens in Perfektion. Ihr Erfolg passiert nicht aus Versehen oder Zufall! Dieses Denken ist auch überlebenswichtig für Nachfolger. Dabei spielt es keine Rolle, ob das die eigenen Kinder oder fremde Dritte sind. Die Auswirkungen des richtigen unternehmerischen Handels sind personenunabhängig.

In diesem Beitrag war es mein Ziel, Ihnen zu aufzuzeigen, woher den meisten Betrieben Gefahr droht und wie erfolgreiche Unternehmer es schaffen, sich dagegen bestmöglich zu schützen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit ein paar Anfordernisse an Ihre Planungen aufzeigen.

Sollten Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema haben oder weiterführende Beratung zu Ihren unternehmerischen Herausforderungen benötigen, so können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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