5 spezielle Regeln für eine Familien-GmbH

Diese 5 speziellen Regeln braucht jede Familien-GmbH

Wussten Sie, dass eine Familien-GmbH Ihr Vermögen nicht automatisch zwischen Ihnen und Ihren Liebsten hält? Was passiert, wenn Ihre Ex-Frau plötzlich Ansprüche erhebt? Was machen Sie, wenn Schwiegerkinder plötzlich versuchen, auf das Vermögen zuzugreifen? Was, wenn Gläubiger aus fremden Geschäftsfeldern Forderungen stellen?

Die Familien-GmbH ist ein beliebtes Mittel, um das Vermögen für Sie und die Ihren zusammen zu halten. Um dazu mehr zu erfahren, können Sie auch diesen Blogbeitrag über die Vor- und Nachteile dieser Rechtsform nachlesen: Klicken Sie hier!

Allerdings funktioniert die Familien-GmbH nur, wenn Sie diese 5 speziellen Regeln im Gesellschaftsvertrag festhalten!

Regel Nr. 1:  Alle brauchen einen Ehevertrag!

Das mag durchaus unromantisch klingen, es ist aber notwendig. Sie als Gesellschafter und auch Ihre Kinder müssen sich verpflichten, einen Ehevertrag abzuschließen.

Dieser muss zwischen Gütertrennung und modifizierter Zugewinngemeinschaft unterscheiden. Zudem muss der Vertrag diese Punkte genau regeln und unkündbar sein. Einzige Ausnahme bilden außerordentliche Kündigungsrechte, die aber genau festgelegt werden.

Nur mit einem solchen Ehevertrag regeln Sie in den Grundzügen, dass kein Ex-Partner später einmal berechtigte Ansprüche erheben kann.

Regel Nr. 2: Bestimmen Sie immer die Abtretungs- oder Einziehungsregelung für den Fall „X“

Eine Abtretung entspricht einer sogenannten qualifizierten Nachfolge. Das heißt: Die Gesellschaftsanteile eines Gesellschafters werden bei dessen Abtretung durch den Fall „X“ auf einen zu diesem Zeitpunkt nicht Beteiligten übertragen.

Dieser Fall „X“ kann zum Beispiel das „in Rente gehen“ sein. Dann erhält der scheidende Gesellschafter eine Abfindung und ein neuer Gesellschafter (z.B. Sohn oder Tochter) wird in die Familien-GmbH aufgenommen.

Eine Einziehung entspricht einer Fortführungsklausel. Das heißt: Die Anteile des scheidenden Gesellschafters werden durch den Fall „X“ (z.B.: „in Rente gehen“) auf einen oder mehrere verbleibende Gesellschafter übertragen.

Auch in diesem Fall erhält der scheidende Gesellschafter eine Abfindung, wie Sie im Gesellschaftsvertrag vereinbart wird.

Regel Nr. 3: Bestimmen Sie die Abfindung

Die Abfindung muss – egal ob Abtretung oder Einziehung – genau geregelt werden. Dabei müssen Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wie wird die Abfindung berechnet?
  • Wird Sie inklusive oder exklusive immateriellem Firmenwert berechnet?
  • Wird die Abfindung auf einmal oder in mehreren Beträgen ausgezahlt? (Möglich sind bis zu 10 Jahresbeträge)

Für den Fall von Forderungsfällen

Um sich vor Forderungen jeglicher Art in der Zukunft zu schützen, empfehle ich Ihnen zudem die Abfindung im Gesellschaftsvertrag über den Buchwert und nicht über den Unternehmenswert zu regeln.

Während der Buchwert den in der Bilanz erfassten Vermögen und Schulden des Unternehmens entspricht, kann der Unternehmenswert ein Vielfaches des Reingewinns ausmachen. Wie Sie den Unternehmenswert berechnen können, können Sie in diesem Beitrag nachlesen: Zur Unternehmenswertberechnung – hier klicken!

Setzen Sie Ihre Abfindungsregelung am besten nach diesem Motto auf: „Wer geht, verliert. Wer bleibt, gewinnt.“

Regel Nr. 4: Bestimmen Sie das Schiedsverfahren

„Das kommt doch in den besten Familien vor“, lautet eine Volksweisheit. Und wie viele Volksweisheiten beinhaltet auch diese einen wahren Kern. In meiner Beratung habe ich schon viele Streitfälle gesehen. Und immer, wenn auf alle Eventualitäten im Vorhinein eingegangen wurde, gingen diese für den Unternehmer glimpflich aus.

Wurden diese Fragen stattdessen auf den sprichwörtlichen „St. Nimmerleinstag“ verschoben, dann war es oft zu spät. Die Folge: Langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren. Diese klärten nicht nur den Vermögensverbleib, sondern verschlangen auch beträchtliche Teile dieses Vermögens.

Für den Fall künftiger Meinungsverschiedenheiten sollten Sie also unbedingt einen Schiedsspruch, ein Schiedsgutachten oder ein Schiedsgericht für einzelne Punkte bestimmen.

Damit sorgen Sie für eine schnelle Lösung und niedrige Kosten (keine Anwälte, keine Prozesskosten). Gleichzeitig haben Sie durch die schnelle Lösung auch sofort wieder den Kopf frei, um sich auf Ihre Aufgaben und Ziele zu konzentrieren.

Regel Nr. 5: Stimmen Sie den Gesellschaftsvertrag mit dem Testament ab

Bei einer GmbH geht das Testament bzw. das Erbrecht dem Gesellschaftsvertrag der GmbH vor. Daher müssen Sie im Testament regeln, dass der Gesellschaftsvertrag zur Geltung kommt.

Widersprechen Sie sich im Testament und im Gesellschaftsvertrag, so muss häufig richterlich entschieden werden. Haben Sie gar kein Testament greift die gesetzliche Erbfolge. Diese steht vermutlich sogar mit Sicherheit Ihren Wunschregelungen entgegen und das Chaos ist perfekt…

Übrigens: Auch bei einer GmbH atypisch still, müssen Sie unbedingt die Erbfolge ohne Widerspruch zum Gesellschaftsvertrag in einem Testament regeln. Nur vor dem Steuerrecht gilt diese Form als Personengesellschaft. Im Erbrecht wird es jedoch wie eine GmbH behandelt.

Fazit: Regeln Sie lieber jetzt, sonst zahlen Sie vielleicht später…

Wie Sie sehen, ist es für solide Unternehmer nicht so einfach, das Verdiente auch im Kreise der Familie zu halten. Familienstreits, Trennungen oder einfach nur Verluste aus Dritt-Geschäften können schnell zu Forderungen führen, die nicht in Ihrem Interesse sind.

Mit der Familien-GmbH gehen Sie als Unternehmer schon den ersten richtigen Schritt. Ohne die oben genannten 5 speziellen Regelungen, bleibt Ihr Schutz dadurch aber unzureichend.

Ich rate Ihnen daher, sich ausführlich zum Thema Familien-GmbH und Nachfolgeregelung beraten zu lassen. Die Fehlerquellen sind vielfältig und liegen oft im Detail.

Sollten Sie zu diesem Thema weiterführende Fragen an mich haben oder meine Beratung wünschen, können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,
Ihr Thomas Breit

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