Für Franchisegeber: Darauf sollten Sie bei der Vertragsgestaltung achten

Für Franchisegeber: Das sollten Sie bei der Vertragsgestaltung bedenken

Sie haben eine erfolgreiche Geschäftsidee und wollen damit expandieren? Sie überlegen, ein Franchise-System für Ihr Vorhaben zu nutzen?

Mit dem passenden Vertrag ist die schnelle Expansionsmöglichkeit nur einer von vielen Vorteilen des Franchisings. Die richtige Vorgehensweise bei der Zusammenarbeit ermöglicht Ihnen als Unternehmer zudem

  • ein zugeschnittenes Vertriebsnetz (ohne viel Aufwand)
  • mehr Umsatz
  • ein geringeres wirtschaftliches Risiko
  • und, und, und.

In dem folgenden Blogbeitrag zeige ich zukünftigen Franchisegebern, worauf Sie beim Aufbau einer Franchise-Partnerschaft achten müssen.

In 6 Schritten zum erfolgreichen Franchise-Vertrag

Jeder Unternehmer, der bereits ein starkes Label aufgebaut hat, kann Franchisegeber werden. Entscheidend für den Erfolg Ihres Franchise-Systems ist jedoch die Vorgehensweise vor und während der Vertragsaufsetzung.

Die folgenden 6 Schritte sollen Ihnen die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Franchise-Vertrag gewährleisten:

  1. Strategie entwickeln
    Bevor Sie einen Vertrag aufsetzen können, brauchen Sie eine Franchise-taugliche Geschäftsidee. Um diese besser beurteilen zu können, hilft die Erarbeitung eines Unternehmenskonzepts (inkl. Systemleistungen, Strukturen, Arbeitsabläufen, Philosophie etc.).
  2. Franchise-Paket erstellen
    Das Franchise-Paket sind all jene Leistungen, welche Sie Ihrem zukünftigen Franchise-Nehmer anbieten. Darin enthalten sind das Marketing- und das Organisationskonzept.
  3. Anmeldung der Schutzrechte
    Ihre Schutzrechte (= Marken, Patente, Gebrauchsmuster) müssen beim Patentamt angemeldet und genau festgelegt werden. Wichtig sind dabei Angaben zur Dauer und Reichweite der Rechte.
  4. Gründliche Finanzplanung
    Für ein erfolgreiches Franchise-System sind eine mehrjährige Erfolgs- und Finanzplanung unabdingbar. Nur wenn Sie Ihre Investitionskosten genau berechnen, können Sie Franchisenehmern ein attraktives Angebot unterbreiten.
  5. Anfertigung eines Handbuchs
    Einfach ausgedrückt beschreibt ein Handbuch die Spielregeln für Ihre Franchise-Partnerschaft. Es sollte klar gegliedert und formuliert sein.
  6. Pilotbetrieb starten
    Bevor Sie mit einem Franchisenehmer einen Vertrag eingehen, sollten Sie Ihr Franchise-Konzept unbedingt selbst einmal ausprobiert haben. Fällt diese Probe aufs Exempel erfolgreich aus, steht einem erfolgreichen Franchise-Vertrag nichts mehr im Weg.

Wichtig: Als Franchisegeber haben Sie zudem die Verpflichtung einer vorvertraglichen Aufklärung. Das bedeutet: Sie müssen Ihrem zukünftigen Franchisenehmer alle relevanten Informationen nachweislich vor der Vertragsunterzeichnung offenlegen.
In dem folgenden Blogbeitrag können Sie die (laut Industrie- und Handelskammer) 12 wichtigsten Punkte der Offenlegung  nachlesen: Für Franchisenehmer: Das sollten Sie über den Franchise-Vertrag wissen

Ihr Franchise-Vertrag im Detail

Nach Einhaltung der obigen Schritte, kommt es  „nur mehr“ auf den richtigen Vertrags-Inhalt an. Grundsätzlich gibt es dafür keine festen Regeln, da jeder Franchise-Vertrag auf das jeweilige Unternehmen angepasst wird.

Die folgende Liste soll Ihnen als Franchisegeber jedoch helfen, keine wichtigen Vertragspunkte zu vergessen. Ihr Franchise-Vertrag sollte nämlich auf alle Fälle diese Inhalte klären:

  • den Gebietsschutz (= Zuweisung des Vertragsgebietes)
  • die Vertragsdauer
  • die Höhe der Franchisegebühren (vom Nehmer an den Geber)
  • Kündigungsregelungen (z.B. Frist, Kündigungstermin, Kündigungsverzicht) und Kündigungsrechte
    Unser Tipp: Setzen Sie auch die Regelungen (bez. Mietrechte, Kundenstock etc.) nach der Kündigung im Franchise-Vertrag fest.
  • Wettbewerbsverbote (z.B. nach Auflösung des Franchise-Vertrages)
  • Know-how und Handbuch
  • Schutzrechte

Sollten Sie sich unsicher bei der Vertragserstellung fühlen, empfehlen wir Ihnen professionelle Hilfe hinzuzuziehen.

Nützliches Know-how: Eine weitere Absicherung für Franchisegeber stellen Bürgschaften dar. Dabei werden Ihre Ansprüche durch die Bürgschaft seitens des Franchisenehmers geschützt.

Diese Verpflichtungen gehen Sie laut Vertrag ein

Mit Unterzeichnung des fertigen Franchise-Vertrages übernehmen Sie gleichzeitig Verantwortung gegenüber Ihrem Franchisenehmer. Zu Ihren Pflichten zählen dadurch unter anderem:

  • Perfektionierung und Standardisierung des betrieblichen Ablaufs
  • Dokumentation des gesamten Know-hows für Betriebsaufbau und Betriebsführung
  • Umsetzung der Marketingkonzeption
  • intensive Werbung, Verkaufsförderungsmaßnahmen
  • imagebewusstes Handeln
  • qualifizierte Beratung des Franchisenehmers vor Ort
  • Weiterbildung und Schulung des Franchisenehmers
  • Qualitätsmanagement des Systems
  • ständige Weiterentwicklung des Systems

Quelle: https://www.franchiseverband.com/wissen/franchisegeber-werden/ (Stand: 01.04.2019)

Diese Risiken können nach Vertragsunterzeichnung auf Sie lauern

Die geschäftliche Franchise-Partnerschaft ähnelt in manchem einer privaten Partnerschaft. So sind in beiden Modellen Ehrlichkeit und Vertrauen von großer Bedeutung.

Sollte Ihr Franchisenehmer nämlich ein Fehlverhalten begehen oder gegen Ihre Prinzipien handeln, fällt dies auf Sie zurück. Um Ihr Image nicht aufs Spiel zu setzen, sollten Sie daher Ihren Geschäftspartner weise wählen.

Exkurs: So finden Sie den passenden Franchisenehmer für Ihr Unternehmen

Damit eine Zusammenarbeit erfolgreich verläuft und es zu keiner Vertragskündigung kommt, brauchen Sie den richtigen Partner. Doch wie sieht der ideale Franchisenehmer aus?

Wenn Sie auf eine detaillierte Checkliste an dieser Stelle gehofft haben, muss ich Sie leider enttäuschen: Einen allgemein gültigen „Franchisenehmer-Steckbrief“ gibt es nicht.
Allerdings sollten Sie bei der Partnersuche u.a. auf diese vielversprechenden Anzeichen achten:

  • unternehmerisches Denken & verkäuferisches Talent
  • Anpassungsfähigkeit (Bereitschaft, für Sie zu arbeiten)
  • Berufs- und Führungserfahrung
  • im Besitz von Kapital

Viele Franchisegeber finden ihren passenden Partner im Internet. Franchise-Anzeigen auf Jobportalen können beispielsweise leicht von geeigneten Franchisenehmern gefunden werden.

Achtung: Grundsätzlich gibt es kein Limit bei der Akquise von Franchisenehmern. Allerdings wäre bei einer Überzahl an Partnern der Erfolg aufgrund der gegenseitigen Konkurrenz gefährdet.

Fazit: Mit der richtigen Checkliste als Franchisegeber vorsorgen

Wie ich in diesem Beitrag zu zeigen versuchte, haben Sie als Franchisegeber das Sagen bei der Vertragserstellung. Das gibt Ihnen eine hohe Gestaltungsfreiheit, birgt aber auch Risiken mit sich.

Sollten Sie auf einen wichtigen Punkt vor oder im Franchise-Vertrag vergessen, kann dies ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Daher ist es wichtig, dass Sie als Franchisegeber den Überblick bei der Vertragsregelung behalten.

Ich hoffe ich konnte Ihnen hilfreiche Tipps und Checklisten mit auf den Weg geben, um damit ein erfolgreiches Franchise-System in Ihrer Firma aufzubauen.

Sollten Sie über diesen Beitrag hinaus Beratung zu diesem Thema benötigen, stehe ich Ihnen gerne für ein persönliches Gespräch in meiner Hamburger Steuerberatungskanzlei zur Verfügung. Sie können mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular erreichen.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

Foto: © stokkete  – stock.adobe.com