Der Franchise-Vertrag für Franchisenehmer

Für Franchisenehmer: Das sollten Sie über den Franchise-Vertrag wissen

Sie wollen Franchisenehmer werden und sich über Ihre Rechte und Pflichten informieren? In diesem Beitrag zeige ich Unternehmern, worauf sie vor der Unterzeichnung und während der Laufzeit des Franchise-Vertrags achten müssen.

Lesen Sie weiter, um zu erfahren,

  • wie Sie Ihre Chancen und Risiken als Franchisenehmer einschätzen können,
  • welche Punkte Ihr Franchise-Vertrag enthalten muss,
  • was bei einem Vertragsbruch passiert.

Das steht Ihnen als Franchisenehmer vor der Vertragsunterzeichnung zu

Bevor ein Franchise-Vertrag Zustande kommt, ist der Franchisegeber zu einer sogenannten vorvertraglichen Aufklärung verpflichtet.

Das bedeutet für Sie als Franchisenehmer: Um einen wahrheitsgemäßen Eindruck des Franchiseunternehmens zu erhalten, muss Ihr zukünftiger Partner alle relevanten Informationen noch vor Vertragsunterzeichnung nachweislich offenlegen.

Die Industrie- und Handelskammer rät zukünftigen Franchisenehmern bei dieser Offenlegung des Franchisegebers auf folgende 12 Punkte zu achten:

  1. Wie lange ist der Franchise-Geber schon im Geschäft?
  2. Wie viele Partner haben sich der Kette bereits angeschlossen? Wie viele sind wieder ausgeschieden?
  3. Wie laufen ihre Geschäfte? (Lassen Sie sich eine Liste von Franchisenehmern geben, und rufen Sie diese an.)
  4. Stimmen die Aussagen des Franchisegebers und die seiner Partner überein? Welche Diskrepanzen gibt es?
  5. Ist der Franchisegeber beim Deutschen Franchise-Verband bekannt oder sogar Mitglied? Prüfen Sie dies durch einen Anruf beim Verband nach. Mancher Anbieter schmückt sich mit der Mitgliedschaft, ohne in München eingeschrieben zu sein.
  6. Sind die vom Franchisegeber genannten Investitionssummen, Einkaufspreise, Gewinnmargen etc. marktüblich? Holen Sie Alternativangebote ein.
  7. Stimmen die Angaben über Kosten? Ist zum Beispiel ein kalkulatorischer Unternehmerlohn vorgesehen?
  8. Was müssen Sie an Gebühren zahlen, und was erhalten Sie dafür? Vergleichen Sie sie mit anderen Franchise-Anbietern.
  9. Gehen Sie die Zahlen des Franchisegebers mit einem neutralen Berater genau durch. Bei abweichen den Werten fragen Sie beim Franchisegeber nach.
  10. Lassen Sie sich alle Leistungen des Franchisegebers genau erklären. Schauen Sie sich zum Beispiel den Versand und die Buchhaltung an. Reden Sie mit den später für Sie zuständigen Sachbearbeitern. Über-zeugen Sie sich davon, dass die Zentrale personell den Betreuungsaufgaben gewachsen ist.
  11. Lassen Sie sich das Handbuch zeigen, und verlangen Sie Einblick in den Schulungsplan. Sprechen Sie mit Ihrem Franchise-Betreuer. Mit ihm müssen Sie die nächsten Jahre auskommen.
  12. Gibt es einen detaillierten Fahrplan des Franchisegebers für Ihre Existenzgründung, und zwar von der Kreditbeantragung bis zur Geschäftseröffnung?

Quelle: https://www.pfalz.ihk24.de/blob/luihk24/existenzgruendung_und_unternehmensfoerderung/Unternehmensgruendung/Merkblaetter_zur_Unternehmensgruendung/1278866/1b6c03224f4de1eddbc0ebbadf9072df/Franchise-Nehmer-data.pdf (Stand: 22.03.2019)

Nur anhand dieser Informationen können Sie als Franchisenehmer die Chancen und Risiken Ihrer Unternehmensgründung einschätzen und über eine gemeinsame Zusammenarbeit entscheiden.

Sollte der Franchisegeber gegen diese Auflage verstoßen und Sie eine nachteilige Geschäftsbeziehung mit ihm eingehen lassen, droht ihm Schadensersatz leisten zu müssen.

Der Franchise-Vertrag: Die wichtigsten Regelungen für Franchisenehmer

Grundsätzlich gibt es keinen einheitlichen Franchise-Vertrag, da dieser vom Franchisegeber immer auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten wird. Allerdings gibt es bestimmte Regelungen, welche jedes Abkommen enthalten sollte, wie z.B.:

  • Angaben zum Vertragspartner (zur natürlichen Person wie auch zum Unternehmen)
  • Aufzählung der gewerblichen Schutzrechte (Markenname)
  • Hinweis auf das Handbuch zur Unternehmensleitung
  • Pflichten des Franchisegebers und -nehmers
  • Vertragsdauer
  • Vertragsstrafen

Falls Sie einen Leitfaden bei der Überprüfung Ihres Franchise-Vertrages benötigen, finden Sie unter folgendem Link eine hilfreiche Checkliste für Franchisenehmerhttps://www.franchiseverband.com/fileadmin/user_upload/FRANCHISERATGEBER_18_19_web.pdf (Stand: 22.03.2019)

Ob Sie als Franchisenehmer wirklich geeignet sind, erfahren Sie in einem anderen Beitrag meines Blogs. Klicken Sie zum Nachlesen einfach auf den folgenden Link: Franchising – Was ist es und für wen macht es Sinn?

Wie sieht das Vertragsverhältnis nach Unterzeichnung aus?

Einmal unterschrieben geht es an die (Zusammen-)Arbeit. Doch wie genau sieht diese aus?

Zuallererst: Eine Franchise-Partnerschaft kommt keiner Teamarbeit gleich. Sie als Franchisenehmer sind abhängig von Ihrem Vertragspartner, welcher alles vorgibt. Angefangen bei der Einrichtung bis hin zu den Produkten Ihres Unternehmens, trifft die Auswahl der Franchisenehmer. Sie als Nehmer haben daher keine vollständig unternehmerische Entscheidungsgewalt.

Sollten Sie gegen die Vorschriften des Franchisegebers verstoßen, werden diese Regelwidrigkeiten geahndet und können sogar zu einer Entlassung (inkl. finanzieller Konsequenzen) führen.

Zu zahlende Gebühren

Um von den Vorteilen einer Zusammenarbeit mit einem namhaften Unternehmen zu profitieren, müssen Sie als Franchisenehmer Gebühren zahlen. Dabei handelt es sich um eine laufende Zahlung, welche bis zu 33% Ihres eigenen Unternehmensumsatzes betragen kann.

Für dieses Entgelt können Sie schnell am Markt Fuß fassen, Ihr Unternehmensrisiko reduzieren, den Größenvorteil bei Werbeaktionen oder Einkäufen nutzen, und, und, und.

Diesen Risiken sind Franchisenehmer ausgesetzt

Ganz klar, das Franchise-System gibt Ihnen als Nehmer die Möglichkeit schnell und effizient Ihr Unternehmen zu gründen. Dennoch will ich an dieser Stelle einige Risiken erwähnen, die Sie als selbstständiger Unternehmer berücksichtigen sollten:

Mit der Unterzeichnung des Franchise-Vertrages erhalten Sie das sogenannte Schutzrecht und können einen bekannten Markennamen für sich nutzen. Das bedeutet allerdings auch, dass Ihr Unternehmen mit diesem Label in Verbindung gebracht wird. Durch problematische Aktionen des Franchisegebers könnte daher auch Ihr eigenes Image geschädigt werden.

Zudem gilt für Sie als Franchisenehmer auch die Haftungsübernahme für die Produkte und Dienstleistungen Ihres Franchisepartners. Um mit dem erfolgreichen Label Ihres Franchise-Partners agieren zu dürfen, tragen Sie demnach ein unternehmerisches Risiko.

Was passiert bei Vertragsbruch?

Die genaue Einhaltung der Vertragsregelungen ist für Sie als Franchisenehmer essentiell. Sollten Sie gegen einen der vereinbarten Punkte verstoßen, kann es zur Kündigung des Franchise-Vertrages kommen. Damit verbunden sind weitere finanzielle Konsequenzen wie zum Beispiel die Zahlung einer Entschädigung an den Franchisegeber.

Damit es zu keinen Interessenskonflikten und Vertragsausstiegen kommt, sollten Sie als Franchisenehmer Ihren Partner daher sorgfältig auswählen.

Mein Tipp an Sie: Ein guter Ansprechpartner bei der Suche eines geeigneten Franchisegebers ist der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV). Dieser überprüft seine Mitglieder vor Aufnahme ganz genau, um eine gute Franchise-Partnerschaft zu ermöglichen.

Des Weiteren können Sie sich nach der Zufriedenheit von Unternehmern erkundigen, die bereits Franchisenehmer geworden sind. Deren Empfinden spiegelt sich meist auch in der Erfolgsquote ihrer Firma wider.

Fazit: Erfolg haben nur Franchisenehmer mit dem richtigen Vertrag

Wie ich versuchte in diesem Beitrag zu zeigen, müssen Sie als Franchisenehmer besonders bei der Partnerwahl und der Vertragsregelung gründlich vorgehen. Um von den zahlreichen Vorteilen einer Zusammenarbeit zu profitieren, sollten nämlich auch die Konditionen für Sie stimmen.

Daher rate ich Ihnen, für die Umsetzung eines Franchise-Systems in Ihrem eigenen Unternehmen professionelle Unterstützung hinzuzuziehen.

Sollten Sie über eine Franchise-Partnerschaft nachdenken und Beratung zu diesem Thema benötigen, stehe ich Ihnen gerne für ein persönliches Gespräch in meiner Hamburger Steuerberatungskanzlei zur Verfügung. Sie können mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular erreichen.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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