Gefahren eines GmbH-Geschäftsführers: Insolvenzverschleppung

Gefahren eines GmbH-Geschäftsführers (Teil 1): Insolvenzverschleppung

Wussten Sie, dass Sie als Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) unter gewissen Umständen mit Ihrem persönlichen Vermögen haften? Sie können im schlimmsten Fall sogar ins Gefängnis „wandern“. Und zwar dann, wenn eine Insolvenzverschleppung vorliegt!

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte Sie mit diesem Blogbeitrag in keinster Weise davon abhalten, Verantwortung als Geschäftsführer Ihrer Firma zu übernehmen. Ganz im Gegenteil: Ich will Sie vielmehr in die Lage versetzen, dieser Verantwortung korrekt nachzugehen.

Daher möchte ich Sie vor der Gefahr der Insolvenzverschleppung warnen. Denn oft wird die beschränkte Haftung aus dem Namen der GmbH falsch verstanden. Sie ist nämlich kein „Freifahrtschein“, dessen Haftung bei der Einlage der GmbH endet.

Sie als Geschäftsführer haben die Pflicht, diese GmbH in den Fahrwassern des Marktes korrekt und wirtschaftlich sicher zu führen. Gelingt Ihnen das nicht, müssen Sie dies rechtzeitig melden. Sonst haften Sie in Deutschland tatsächlich mit Ihrem Privatvermögen und sogar mit Ihrer Freiheit.

Wie es dazu kommen kann und vor allem wie Sie sich vor diesem schlimmsten aller Fälle schützen, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag leicht verständlich erläutern.

Was ist eine Insolvenzverschleppung?

Eine Insolvenzverschleppung liegt dann vor, wenn Sie länger als 3 Wochen die Insolvenzreife Ihrer GmbH verschweigen. Konkret heißt das: Wenn Sie länger als 3 Wochen keinen Insolvenzantrag stellen, obwohl Sie wissen, dass Ihr Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist.

Gleichzeitig ist es nicht mehr möglich, für Ihr Unternehmen eine begründete positive Fortführungsprognose zu erstellen. Sie wissen also, dass Sie es nicht mehr retten können.

Haben Sie diesen Zustand in Ihrem Unternehmen erreicht, dann müssen Sie innerhalb von 3 Wochen einen Insolvenzantrag stellen. Andernfalls handeln Sie strafbar – im strafrechtlichen und im zivilrechtlichen Sinne. Daran führt also kein Weg vorbei.

Was heißt zahlungsunfähig? Was heißt überschuldet?

Die Insolvenzordnung definiert in §17 und §19, was Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung in Detail vor dem Gesetz bedeuten.

Zahlungsunfähigkeit = Wenn Ihr Unternehmen nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Sie wird in der Regel angenommen, wenn Sie die Zahlungen eingestellt haben.

(Hier der Link zum Gesetzestext: https://dejure.org/gesetze/InsO/17.html)

Überschuldung = Wenn das Vermögen Ihres Unternehmens die Summe Ihrer Schulden nicht mehr deckt. Eine Ausnahme besteht, wenn die Fortführung des Unternehmens nach den Umständen überwiegend als wahrscheinlich angesehen wird (Stichwort: Fortführungsprognose).

Das heißt: Ist Ihr Unternehmen zwar im Moment überschuldet, Sie erwarten in den nächsten Tagen aber eine Zahlung, die Ihre Überschuldung beendet und Sie haben viele weitere Auftragszusagen für die Zukunft bereits erhalten, dann könnte eine positive Fortführungsprognose bestehen. In diesem Fall müssten Sie keinen Antrag auf Insolvenz stellen. Liegt das nicht vor, dann sind Sie vor dem Gesetz dazu verpflichtet. Sonst liegt eine Insolvenzverschleppung vor.

(Hier der Link zum Gesetzestext: https://dejure.org/gesetze/InsO/19.html)

Ist es die Pflicht eines Geschäftsführers die Insolvenz zu vermeiden?

Falls ich Sie jetzt verunsichert habe: Es ist nicht Ihre Pflicht als Geschäftsführer die Insolvenz zu vermeiden. Der deutsche Staat geht ohnehin davon aus, dass Sie das Unternehmen, das Sie leiten, nicht mit Vorsatz in die Pleite führen.

Aber der deutsche Staat verlangt von Ihnen, dass Sie im Fall der Fälle den Schaden so gering wie möglich halten und Sie daher innerhalb von 3 Wochen, die nahende Insolvenz melden oder eine entsprechend positive Fortführungsprognose vorweisen.

Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, geht der Staat davon aus, dass Sie die Situation noch schlimmer gemacht haben. Und daher wird bis auf Ihr Privatvermögen zurückgegriffen, um die Gläubiger zu bedienen. Zudem „interessiert“ sich auch der Staatsanwalt für Sie.

Wie hart kann es Sie als Geschäftsführer im Falle einer Insolvenzverschleppung treffen?

Der Staat nimmt diese Art der Wirtschaftsverbrechen sehr ernst. Schließlich „spielen“ Sie nicht nur mit Ihrer eigenen Firma. Eine Insolvenzverschleppung kann auch schwerwiegende Auswirkungen auf andere Betriebe haben.

Hat ein Produktionsbetrieb einen Großauftrag an sie geliefert und Sie können die Ware nicht bezahlen, gefährden Sie weit über Ihr Unternehmen hinaus andere Firmen, andere Arbeitsplätze und damit den Wohlstand und die Sicherheit anderer Menschen.

Daher haften Sie als Geschäftsführer in einem solchen Fall zivilrechtlich mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Darüber hinaus droht Ihnen ein Berufsverbot. Sie dürfen also nie wieder Geschäftsführer eines Unternehmens werden. Und es drohen Ihnen in schwerwiegenden Fällen sogar bis zu drei Jahren Haft.

Oft treffen diese Regelungen auch ehrliche Geschäftsführer. Denn „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ und das Gesetz bestraft hier auch die Fahrlässigkeit. Die Kriminalstatistik zeigt, dass es im Jahr 2017 ganze 6.437 Fälle von Insolvenzverschleppung gab. Gleichzeitig hatte es in Deutschland mit 20.200 Insolvenzen die wenigsten Firmenpleiten seit 1994 gegeben.

Quellen: polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts ( https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2017/BKATabellen/bkaTabellenFaelle.html?nn=96600) und Presseaussendung von creditreform.de (https://www.creditreform.de/nc/aktuelles/news-list/details/news-detail/insolvenzen-in-deutschland-jahr-2017.html)

Fazit: Beschränkte Haftung ist kein „Freifahrtschein“

Die Statistik zeigt eindeutig, dass die Gefahr der Insolvenzverschleppung für Geschäftsführer eine reale ist. Jede dritte Insolvenz im Jahr 2017 stellte einen Fall für den Staatsanwalt dar.

Da mit Sicherheit nicht davon auszugehen ist, dass jeder dritte betroffene Geschäftsführer mit Vorsatz handelte, kann es nur an fehlender Information und Aufklärung durch den Steuerberater liegen.

Mein Ziel mit diesem Beitrag war es, Sie etwas mehr über die Gefahren eines Geschäftsführers trotz beschränkter Haftung aufzuklären. Wie Sie sehen, ist eine solche Beschränkung keinesfalls ein „Freifahrtschein“.

Bei der Leitung eines Unternehmens gilt es, die richtige Rechtsform zu wählen und dieses Unternehmen entsprechend zu lenken. Die sorgfältige Aufklärung über die Rechte und Pflichten sollte daher bei der Unternehmensnachfolgeplanung, bei einer Unternehmensumwandlung und bei jedem Wechsel des Geschäftsführers hohe Priorität genießen.

Sollten Sie zu diesem Thema weiterführende Fragen an mich haben oder meine Beratung wünschen, können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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