Sie wollen Ihren Unternehmenswert berechnen? So hilft Ihnen das CAPM dabei

Möchten Sie Ihr Unternehmen verkaufen? Oder gedenken Sie eine Umwandlung Ihrer Firma vorzunehmen? Für beide Vorhaben sollten Sie als Unternehmer den Wert Ihrer Firma genau kennen. Dafür gibt es verschiedene Berechnungs-Modelle. Ich zeige Ihnen in diesem Beitrag das sogenannte CAPM (=Capital Asset Pricing Model). Es hilft Inhabern, Käufern oder Investoren zu erkennen, wie gut ein Unternehmen auf dem Markt aufgestellt ist.

In diesem Blogbeitrag will ich Ihnen daher zeigen,

  • worum es sich genau bei dem CAPM handelt,
  • wie es im Detail funktioniert
  • und wie es Ihnen bei der Unternehmensbewertung weiterhilft.

Ich will Sie nicht anlügen, der folgende Artikel ist keine leichte Kost, aber er wird Ihnen beim Verkauf oder der Umwandlung Ihres Unternehmens helfen. Nur keine Scheu, lesen Sie weiter und finden Sie heraus, wie viel Ihre Firma wirklich wert ist:

Was ist das CAPM eigentlich?

CAPM ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Capital Asset Pricing Model„. Durch das CAPM wird das Risiko eines Unternehmens in Prozent wiedergegeben. Dabei kann es weder 0% noch 100% geben. Das durchschnittliche Risiko von deutschen Unternehmen beträgt rund 4,5%. Mithilfe des CAPM können Sie als Inhaber also berechnen, wie hoch Ihr eigenes Risiko ist.

Warum gibt es das CAPM überhaupt?

Bevor das CAPM entwickelt wurde, waren für Unternehmer die Verhältnisse zwischen Gewinnen, Verlusten, Renditen und Risiken völlig unbekannt. Erst in den 50er Jahren entwickelte man die Theorie, dass der Prozentsatz der Rendite gleich dem des Risikos ist.

Das heißt: 2% Rendite pro Jahr = 2% Risiko pro Jahr. Oder 15% Rendite pro Jahr = 15% Risiko pro Jahr. Aber was ist, wenn sich ein anderer Investor statt den 15% auch mit 9% Rendite pro Jahr zufrieden geben würde? Wäre dann das Risiko auch nur 9%? Nein, denn das Risiko ist abhängig vom Unternehmen selbst und nicht von der Rendite. Also ganz gleich ob Sie 15% oder 9% Rendite ausgezahlt bekommen, das Risiko bleibt gleich.

Da diese einfache Theorie von „Rendite=Risiko“ in der Praxis nicht anwendbar war, entstand in den 60er Jahren daher das CAPM. Es übernimmt den „Rendite=Risiko-Grundgedanken“, spaltet aber das Risiko in 2 Teile:

  1. die risikolose Rendite (welche für jedes Unternehmen auf dem Markt gilt und 0,5% pro Jahr beträgt)
  2. das unternehmensspezifische Risiko (welches nur auf dieses individuelle Unternehmen zutrifft)

Das bedeutet: Durch das CAPM können Sie als Unternehmer herausfinden, wie hoch das individuelle Risiko Ihrer Firma ist und wie viel Gewinn Sie voraussichtlich machen werden. Mit diesem Wissen können Sie dann Ihr Unternehmen bewerten und Investoren einen vernünftigen Preis anbieten.

Lassen Sie mich das Ganze an einem Beispiel demonstrieren: Ein Investor will 1 Million Euro in Ihre Firma investieren – das ist ein hohes Risiko für ihn. Für diese große Summe erwartet er sich auch eine hohe Rendite, welche er jedes Jahr von Ihnen ausgezahlt bekommt. Das CAPM hilft dem Inhaber und dem Investor zu bestimmen, welchen Gewinn der Investor von 1 Million bekommen sollte. Sprich: Wie viel der Investor für sein Geld zurück bekommt.

Der Einsatz des CAPM ist aber nicht nur bei Investitionen von Nutzen. Auch wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen oder eine Umwandlung durchführen wollen, hilft es Ihnen bei der Errechnung der Rendite-Erwartung. Mit dem CAPM können Sie daher nicht nur den Wert Ihrer Firma bestimmen, sondern auch Ihren Verkaufspreis rechtfertigen.

Wie funktioniert das CAPM?

Die Grundlage des CAPM bildet eine einfache Formel: Erwartete Rendite = risikoloser Zinssatz + β × (Marktrendite – risikoloser Zins)

Das mag auf den ersten Blick etwas verwirrend wirken, ist jedoch leichter zu erfassen, wenn man jeden einzelnen Teil der Formel kennt.

  • Der risikolose Zinssatz ist beispielsweise der Zinsertrag von risikofreien Anlageformen wie z.B. sichere Staatsanleihen. Das bedeutet: Bei diesen Geldanlagen besteht in der Regel die Sicherheit, dass Zinsen pünktlich ausgezahlt werden können.
  • Der β-Faktor gibt hingegen an, wie stark Ihr Unternehmen auf Marktschwankungen reagiert. Dabei erfasst β das sogenannte systematische Risiko. Dieses Risiko können beispielsweise Finanzkrisen oder Kriege sein, also wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, die alle Firmen auf dem Markt betreffen.
  • Als letzter Bestandteil der Formel bleibt nur mehr die Marktrendite. Sie gibt Aufschluss darüber, wie viel Gewinn von den jeweiligen Anlagen am Markt zu erwarten ist.

Ich weiß, das war jetzt viel Theorie auf einmal. Um das CAPM in der Praxis zu erklären, wende ich in diesem Video die Formel an einem Zahlen-Beispiel an. Klicken Sie einfach auf Play, um das CAPM von mir hier genauer erklärt zu bekommen:

Der große Makel des CAPM: Seine Altersschwäche

Die Tatsache, dass das Capital Asset Pricing Model aus den 60er Jahren stammt, ist auch gleichzeitig sein größter Makel. In den letzten Jahrzehnten kamen ganz neue betriebswirtschaftliche Erkenntnisse ans Tageslicht. Diese haben die Risikobewertung grundlegend verändert. Das CAPM blieb trotz dieser Erfahrungen unverändert und ist somit nicht mehr zeitgemäß. Die darin enthaltenen Risiken sind für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu schematisch.

Fazit: CAPM macht überschaubares Risiko sichtbar

Das CAPM hilft Ihnen als Unternehmer, den Wert Ihres Unternehmens besser einschätzen zu können. Es bietet eine (auf den zweiten Blick) relativ einfache Formel, um die Risiken für Ihre Firma mit Zahlen darzustellen. Diese Berechnung können Sie als Inhaber nutzen, um sich gegen übertriebene Rendite-Erwartungen von Käufern oder Investoren zu wehren.

Vereinfacht gesagt dient Ihnen das CAPM also als Argumentationshilfe, mit welcher Sie den wahren Wert Ihrer Firma belegen können. Schwarz auf weiß.

Ich weiß, das Thema dieses Blogbeitrags ist etwas schwer zu verdauen. Sollten Sie daher Beratung zum CAPM oder generell zur Unternehmensbewertung benötigen, freue ich mich über ein persönliches Gespräch in meiner Hamburger Steuerberatungskanzlei. Sie können mich via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular jederzeit erreichen.

Herzlich,

Ihr Thomas Breit

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