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Sie wollen Ihren Unternehmenswert berechnen? So hilft Ihnen das CAPM dabei

Möchten Sie Ihr Unternehmen verkaufen? Oder denken Sie über eine Umwandlung Ihrer Firma nach?

Für beide Vorhaben sollten Sie als Unternehmer den Wert Ihrer Firma genau kennen. Dafür gibt es verschiedene Berechnungs-Modelle. Ich zeige Ihnen in diesem Beitrag das sogenannte CAPM (=Capital Asset Pricing Model).

Es hilft Inhabern, Käufern oder Investoren zu erkennen, wie gut ein Unternehmen auf dem Markt aufgestellt ist.

In diesem Blogbeitrag will ich Ihnen daher zeigen:

Dieser Beitrag wurde am 27. Dezember 2021 aktualisiert.

Was ist das CAPM eigentlich?

CAPM ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung “Capital Asset Pricing Model“.

Durch das CAPM wird das Risiko eines Unternehmens in Prozent wiedergegeben. Dabei kann es weder 0% noch 100% geben. Das durchschnittliche Risiko von deutschen Unternehmen beträgt rund 4,5%.

Mithilfe des CAPM können Sie als Inhaber also berechnen, wie hoch Ihr eigenes Risiko ist.

Warum gibt es das CAPM überhaupt?

Bevor das CAPM entwickelt wurde, waren für Unternehmer die Verhältnisse zwischen Gewinnen, Verlusten, Renditen und Risiken völlig unbekannt. Erst in den 50er Jahren entwickelte man die Theorie, dass der Prozentsatz der Rendite gleich dem des Risikos ist.

Das heißt: 2% Rendite pro Jahr = 2% Risiko pro Jahr. Oder 15% Rendite pro Jahr = 15% Risiko pro Jahr. Aber was ist, wenn sich ein anderer Investor statt den 15% auch mit 9% Rendite pro Jahr zufrieden geben würde? Wäre dann das Risiko auch nur 9%? Nein, denn das Risiko ist abhängig vom Unternehmen selbst und nicht von der Rendite.

Also ganz gleich ob Sie 15% oder 9% Rendite ausgezahlt bekommen, das Risiko bleibt gleich.

Da diese einfache Theorie von “Rendite=Risiko” in der Praxis nicht anwendbar war, entstand in den 60er Jahren daher das CAPM. Es übernimmt den “Rendite=Risiko-Grundgedanken”, spaltet aber das Risiko in 2 Teile:

  1. die risikolose Rendite (welche für jedes Unternehmen auf dem Markt gilt und 0,5% pro Jahr beträgt)
  2. das unternehmensspezifische Risiko (welches nur auf dieses individuelle Unternehmen zutrifft)

Das bedeutet: Durch das CAPM können Sie als Unternehmer herausfinden, wie hoch das individuelle Risiko Ihrer Firma ist und wie viel Gewinn Sie voraussichtlich machen werden. Mit diesem Wissen können Sie dann Ihr Unternehmen bewerten und Investoren einen vernünftigen Preis anbieten.

Lassen Sie mich das Ganze an einem Beispiel demonstrieren: Ein Investor will 1 Million Euro in Ihre Firma investieren – das ist ein hohes Risiko für ihn. Für diese große Summe erwartet er sich auch eine hohe Rendite, welche er jedes Jahr von Ihnen ausgezahlt bekommt.

Das CAPM hilft dem Inhaber und dem Investor zu bestimmen, welchen Gewinn der Investor von 1 Million bekommen sollte. Sprich: Wie viel der Investor für sein Geld zurück bekommt.

Der Einsatz des CAPM ist aber nicht nur bei Investitionen von Nutzen. Auch wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen oder eine Umwandlung durchführen wollen, hilft es Ihnen bei der Errechnung der Rendite-Erwartung.

Mit dem CAPM können Sie daher nicht nur den Wert Ihrer Firma bestimmen, sondern auch Ihren Verkaufspreis rechtfertigen.

Wie funktioniert das Capital Asset Pricing Model?

Die Grundlage des CAPM bildet eine einfache Formel: Erwartete Rendite = risikoloser Zinssatz + β × (Marktrendite – risikoloser Zinssatz)

Das mag auf den ersten Blick etwas verwirrend wirken, ist jedoch leichter zu erfassen, wenn man jeden einzelnen Teil der Formel kennt.

  • Der risikolose Zinssatz ist beispielsweise der Zinsertrag von risikofreien Anlageformen wie z.B. sichere Staatsanleihen. Das bedeutet: Bei diesen Geldanlagen besteht in der Regel die Sicherheit, dass Zinsen pünktlich ausgezahlt werden können und Sie kein Risiko dafür eingehen müssen.
  • Der β-Faktor (auch Beta-Faktor) gibt hingegen an, wie stark Ihr Unternehmen auf Marktschwankungen reagiert. Diese Schwankungen können beispielsweise Finanzkrisen oder Kriege sein, also wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, die alle Firmen auf dem Markt betreffen. Ein Beta-Faktor von eins bedeutet, dass der Wert Ihres Unternehmens genau gleich wie der allgemeine Markt schwankt. Ist der Wert kleiner als eins, schwankt Ihr Unternehmen weniger, ist er größer als eins schwankt er mehr als der Markt.
  • Als letzter Bestandteil der Formel bleibt nur mehr die Marktrendite. Sie gibt Aufschluss darüber, wie viel Gewinn von den jeweiligen Anlagen am Markt zu erwarten ist.

Ich weiß, das war jetzt viel Theorie auf einmal. Deshalb folgt jetzt ein einfaches Rechenbeispiel, dass diese Theorie für Sie leichter verständlich machen sollte.

Das CAPM anhand eines praktischen Beispiels erklärt

Nehmen wir an, dass Sie mit dem CAPM den Wert Ihres Unternehmens berechnen möchten.

Eine Basis für diese Berechnung bildet der sogenannte Betriebsertrag. Dieser Betriebsertrag sollte am besten ein Durchschnittswert des Gewinns sein, den Sie regelmäßig mit Ihrem Unternehmen erzielen.

Nehmen wir an für Ihre Firma beträgt dieser Betriebsertrag 200.000 Euro.

Im nächsten Schritt wenden wir die CAPM Formel an. Für die einzelnen Variablen der Formel treffen wir folgende Annahmen:

  • Risikoloser Zinssatz: Da der aktuelle (Stand: Dezember 2021) risikolose Zinssatz in Deutschland negativ ist und die Kalkulation dadurch etwas verwirrend ist, nehmen wir einen historischen risikolosen Zinssatz von 0,5% an.
  • β-Faktor: Wir nehmen an, dass die Entwicklung Ihres Unternehmens stark mit dem allgemeinen Markt verbunden ist. Deshalb beträgt der Beta-Faktor in unserem Beispiel genau 1.
  • Marktrendite: Da wir beim risikolosen Zinssatz einen historischen Wert ausgewählt haben, kommt auch hier ein vergangener Wert zum Einsatz. Dieser Wert für die Marktrendite beträgt 4,5%.

Um Ihren Unternehmenswert zu berechnen, verwenden wir jetzt folgende zwei Formeln:

  1. Erwartete Rendite = risikoloser Zinssatz + β-Faktor x Marktrendite
  2. Unternehmenswert = Betriebsertrag x (1 / erwartete Rendite)

Mit Zahlen sieht das ganze so aus:

Erwartete Rendite = 0,5% + 1 x 4,5%

Die erwartete Rendite beträgt daher 5%. Jetzt können wir den Unternehmenswert berechnen:

Unternehmenswert = 200.000 x (1 / 5%)

Der Unternehmenswert beträgt in diesem Beispiel also 4.000.000 Euro.

Videoerklärung: Das CAPM bei der Unternehmensbewertung

Im folgenden Video erkläre ich Ihnen ein ähnliches Beispiel und weitere Details zum CAPM nochmal persönlich. Falls Sie also ein Fan von Videoerklärungen sind, ist dieses Video für Sie richtig.

Der große Makel: Die Altersschwäche des Capital Asset Pricing Models

Die Tatsache, dass das Capital Asset Pricing Model aus den 60er Jahren stammt (der Artikel Equilibrium in a Capital Asset Market indem das CAPM unter anderem präsentiert wird, wurde 1966 veröffentlicht), ist auch gleichzeitig sein größter Makel.

In den letzten Jahrzehnten kamen ganz neue betriebswirtschaftliche Erkenntnisse ans Tageslicht. Diese haben die Risikobewertung grundlegend verändert.

Das CAPM blieb trotz dieser Erfahrungen unverändert und ist somit nicht mehr zeitgemäß. Die darin enthaltenen Risiken sind für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu schematisch und nicht individuell genug.

Fazit: CAPM macht überschaubares Risiko sichtbar

Das CAPM hilft Ihnen als Unternehmer, den Wert Ihres Unternehmens besser einschätzen zu können. Es bietet eine (auf den zweiten Blick) relativ einfache Formel, um die Risiken für Ihre Firma mit Zahlen darzustellen.

Diese Berechnung können Sie als Inhaber nutzen, um sich gegen übertriebene Rendite-Erwartungen von Käufern oder Investoren zu wehren.

Vereinfacht gesagt dient Ihnen das CAPM also als Argumentationshilfe, mit welcher Sie den wahren Wert Ihrer Firma belegen können. Schwarz auf weiß.

Ich weiß, das Thema dieses Blogbeitrags ist etwas schwer zu verdauen. Sollten Sie daher Beratung zum CAPM oder generell zur Unternehmensbewertung benötigen, freue ich mich über ein persönliches Gespräch in meiner Hamburger Steuerberatungskanzlei.

Sie können mich via Telefon (+49 40 44 33 11), E-Mail (anfrage@steuerberatung-breit.de) oder meinem Kontaktformular jederzeit erreichen.

Herzlich,

Ihr Thomas Breit

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