Es gibt Situationen in meiner Arbeit, in denen ich einem Mandanten eine steuerlich attraktive Gestaltung erklären könnte und am Ende trotzdem sage: Ich würde es nicht machen.
Das mag zunächst widersprüchlich klingen. Schließlich gehört es zu meiner Aufgabe als Steuerberater, Möglichkeiten aufzuzeigen und steuerliche Belastungen sinnvoll zu gestalten. Aber für mich endet gute Beratung nicht bei der Frage: „Ist das steuerlich möglich?“ Die wichtigere Frage lautet oft: „Passt das wirklich zu Ihnen?“
Eine gute Lösung muss mehr können als Steuern sparen
Eine Gestaltung kann auf dem Papier hervorragend aussehen. Vielleicht reduziert sie die Steuerlast oder eröffnet interessante Spielräume. Gleichzeitig kann sie aber zusätzliche Komplexität schaffen, langfristige Verpflichtungen mit sich bringen oder schlicht nicht zu den persönlichen und unternehmerischen Plänen eines Mandanten passen.
Dann spreche ich das offen an. Denn ich halte wenig davon, eine Lösung nur deshalb umzusetzen, weil sie steuerlich attraktiv ist. Wenn der Aufwand unverhältnismäßig hoch ist oder die Gestaltung langfristig mehr einengt als hilft, rate ich auch einmal davon ab.
Natürlich liegt die Entscheidung am Ende beim Mandanten. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Konsequenzen so verständlich wie möglich aufzuzeigen (auch die unbequemen).
Vertrauen bedeutet für mich auch, Nein zu sagen
Beratung bedeutet für mich nicht, möglichst viele Gestaltungen umzusetzen. Sie bedeutet, gemeinsam die Lösung zu finden, die langfristig trägt.
Manchmal ist deshalb der beste Rat nicht: „Das können wir machen.“ Sondern: „Ja, das wäre möglich. Aber ich glaube nicht, dass es für Sie sinnvoll ist.“ Genau diese Offenheit gehört für mich zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Herzlichst, Thomas Breit
Foto: Nele Martensen

