Welche Rechtsform eignet sich fuer Freiberufler

Einzelunternehmen oder Ein-Personen-GmbH: Welche Rechtsform macht für Freiberufler Sinn?

Freiberufler genießen Vorteile, die für andere Gewerbetreibende nicht gelten: Sie müssen keine doppelte Buchführung führen und benötigen kein Mindesthaftpflichtkapital.

Zu den Freiberuflern zählen im steuerrechtlichen Sinne Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Architekten, Steuerberater, Heilpraktiker, Journalisten, Übersetzer und ähnliche Berufsgruppen (Quelle: Einkommensteuergesetz §18, https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html, 02.07.2018).

Trotz der genannten Vorteile denken viele an die Gründung einer Kapitalgesellschaft.

Sind Sie auch Freiberufler und spielen mit dem Gedanken einer GmbH oder ähnlichem? Sie fragen sich aber, welche Rechtsform, wann für Sie als Freiberufler Sinn macht?

In diesem Beitrag habe ich für Sie verschiedene Rechtsformen vergleichend zusammengefasst.

#1: Einzelunternehmen

Wann kann das Einzelunternehmen für einen Freiberufler sinnvoll sein?

  • Flexibler Zahlungsverkehr: Bei einem Einzelunternehmen können Sie ganz einfach ohne aufwändigen Formalismus Geld entnehmen.
  • Keine Buchführungspflicht: Einzelunternehmer sind nicht dazu verpflichtet, Ihre Unternehmensgewinne nach den Grundsätzen der doppelten Buchhaltung zu erfassen.
  • Umsatzsteuerschuld erst bei Zahlungseingang fällig: Die Umsatzsteuer müssen Sie als Einzelunternehmer erst bei Zahlungseingang zahlen und nicht schon bei Rechnungsstellung, egal wie viel Umsatz Sie machen.
  • Keine Veröffentlichungspflicht: Sie müssen für ein Einzelunternehmen keine Vermögens- bzw. Ertragswerte in Form des Jahresabschlusses elektronisch beim Bundesanzeiger veröffentlichen.

Wann macht das Einzelunternehmen keinen Sinn?

Schadensrisiko übersteigt die betriebliche Haftpflicht: Wenn das Schadensrisiko zu groß ist und Ihre Versicherung nicht zahlt, sollten Sie sich für eine andere Rechtsform entscheiden.

#2: Ein-Personen-GmbH

Wann kann die Ein-Personen-GmbH für einen Freiberufler sinnvoll sein?

  • Betriebliche Haftpflicht unzureichend: Wenn Sie als Freiberufler fürchten müssen, dass Ihre betriebliche Haftpflicht einmal nicht ausreichen könnte. Diese Befürchtung trifft vor allem: Ingenieure, Architekten, Rechtsanwälte und Steuerberater.
  • Bessere Regelung der Altersvorsorge: Sie möchten Ihre Altersvorsorge besser regeln? Dann wäre die Ein-Personen-GmbH die optimale Variante für Freiberufler. Sie ermöglicht Ihnen 5 Wege der Altersabsicherung. Diese 5 Wege beschreibe ich demnächst in einem eigenen Beitrag.

Wann ist die Ein-Personen-GmbH nicht sinnvoll?

  • Keine Lust auf doppelte Buchführung: Wenn Sie sich gegen Buchführungs- bzw. Bilanzierungspflichten sträuben, macht eine Ein-Personen-GmbH für Sie keinen Sinn.
  • Keine Lust auf administrativen Mehraufwand: Eine GmbH bedeutet einen höheren administrativen Aufwand (Geschäftsberichte, Buchführung, Gesellschaftsversammlungen etc.). Wenn Sie den nicht in Kauf nehmen möchten, ist von einer Ein-Personen-GmbH abzuraten.
  • Keine Lust auf Veröffentlichung: Wenn Sie Ihr Betriebsvermögen bzw. die betrieblichen Erträge nicht veröffentlichen wollen, ist die Ein-Personen-GmbH nicht zu empfehlen.

Fazit: GmbH und Einzelunternehmen sind für Freiberufler möglich, UG bitte nie

Möglicherweise vermissen Sie in diesem Vergleich die Unternehmergesellschaft (=UG)?

Diese Rechtsform habe ich bewusst weggelassen, weil sie aufgrund ihres schlechten Images keine gute Alternative für den Freiberufler darstellt.

Je nach Situation und persönlichen Vorlieben kann für den einen das Einzelunternehmen, für den anderen die Ein-Personen-GmbH attraktiver sein.

Wenn Sie den administrativen Aufwand möglichst gering halten wollen und dafür die fehlende Haftungsbeschränkung in Kauf nehmen, kann das Einzelunternehmen sinnvoller sein.

Wollen Sie hingegen nicht länger mit Ihrem Privatvermögen haften und gleichzeitig von einer besseren Altersvorsorge profitieren, empfiehlt sich die Ein-Mann-GmbH.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick in diese 2 Rechtsformen geben. Dadurch sollten Sie einen ersten Eindruck gewinnen, welche Variante möglicherweise für Sie und Ihre Unternehmenssituation Sinn machen kann.

Sollten Sie zu einer dieser Rechtsformen noch offene Fragen haben oder weiterführende Beratung benötigen, so können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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