Der Rat, den ich meinem jüngeren Ich als Steuerberater geben würde
Wenn ich meinem jüngeren Ich heute einen Rat geben könnte, wäre es wahrscheinlich dieser: Du musst nicht von Anfang an auf alles eine Antwort haben.
Gerade am Beginn meiner beruflichen Laufbahn hatte ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich wollte vorbereitet sein, Zusammenhänge verstehen und möglichst keine Unsicherheit zeigen. Das gehört sicherlich auch ein Stück weit zu unserem Beruf. Schließlich vertrauen uns Menschen wichtige Angelegenheiten an. Mit den Jahren habe ich aber gelernt: Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass jemand so tut, als wüsste er alles.
Sicherheit bedeutet nicht, niemals zu zweifeln
Heute sehe ich Unsicherheit anders. Wenn ich etwas prüfen muss, dann prüfe ich es. Wenn eine Frage nicht sofort zu beantworten ist, sage ich das. Und wenn ich merke, dass eine Entscheidung noch Zeit braucht, dann nehme ich mir diese Zeit.
Meinem jüngeren Ich würde ich deshalb sagen: Hab weniger Angst davor, nicht perfekt zu sein. Erfahrung bedeutet für mich heute nicht, jede Situation schon einmal erlebt zu haben. Erfahrung bedeutet vielmehr, auch mit neuen Situationen ruhig umgehen zu können.
Und noch etwas würde ich mir mit auf den Weg geben: Hör den Menschen genauer zu. Hinter Zahlen, Unterlagen und Entscheidungen stehen immer Menschen mit eigenen Geschichten, Sorgen und Zielen. Wer das vergisst, versteht vielleicht den Vorgang, aber nicht unbedingt den Menschen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die mir die vergangenen Jahre gebracht haben: Fachwissen ist wichtig. Aber Vertrauen entsteht vor allem dort, wo man ehrlich miteinander umgeht.
Herzlichst, Thomas Breit
Foto: Nele Martensen

