Gewerbesteuer – Was steckt wirklich dahinter?

Gewerbesteuer – Was ist sie genau? Wie können Sie bei ihr sparen?

Jedes Jahr verkleinert sich Ihr erzielter Unternehmensgewinn, da ein Teil davon der Steuer zum Opfer fällt? Sie als Unternehmer sollten wissen, an wen Ihre Abgaben dabei gehen und warum Sie diese einzahlen. Wer weiß, unter Umständen zahlen Sie sogar zu viele Steuern …

Ein Beispiel dafür ist die Gewerbesteuer: Viele meiner Klienten wissen gar nicht, was eine Gewerbesteuer zu bedeuten hat und wie diese zustande kommt. Dabei gibt es sogar Unternehmen, welche durch die richtige Vorgehensweise Ermäßigungen bei der Gewerbesteuer erzielen können.

Im folgenden Beitrag möchte ich Sie daher über die wichtigsten Aspekte der Gewerbesteuer aufklären und Ihnen zeigen, wie Sie dieser in bestimmten Ausnahmefällen sogar entgehen können.

Was ist die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine Steuer, die Sie als Gewerbebetreibende an Ihre jeweilige Gemeinde zu zahlen haben. Es handelt sich dabei um eine ertragsabhängige Steuer, was bedeutet: Je nach Größe Ihres Gewinns fällt sie unterschiedlich hoch aus.

Die Gewerbesteuer zählt als Gemeindesteuer. Das heißt: Die Gemeinde, in der sich Ihr Betrieb befindet, ist für die Einziehung zuständig und behält auch das erhobene Geld.

Jede Gemeinde kann dabei durch den sogenannten Hebesatz selbst festlegen, wie viel sie von Ihrem Gewerbeertrag (= Ihr Gewinn) ausgezahlt bekommt.

Eingezahlt wird die dabei entstehende Gewerbesteuer dann mittels Bescheid oder durch eine Vorauszahlung in Abschlägen (zum 10.2, 10.5, 10.8 und 10.11).

Ergänzender Hinweis: Im Stadtstaat Hamburg zahlt man die Gewerbesteuer direkt an die Stadt (= Bundesland und Gemeinde in Einem).

Kurzer Exkurs: Der Hebesatz

Der Hebesatz ist einer von mehreren Faktoren, die zur Berechnung der Gewerbesteuer eingesetzt werden. Er multipliziert den Steuermessbetrag Ihres Gewinns und berechnet somit die endgültige Höhe Ihrer Gemeindesteuer.

Den Hebesatz kann jede Gemeinde individuell gestalten und damit aktiv entscheiden, welchen Betrag Sie als Gewerbebetreibender zu zahlen haben.
Seit 2004 gilt in Deutschland: Der Hebesatz jeder Gemeinde muss mindestens 200% betragen. Dieser Prozentsatz trifft allerdings eher auf kleinere Gebiete zu, während in Großstädten wie Hamburg, Köln oder München ein Hebesatz von bis zu 490% herrscht.

Daher mein Rat an Unternehmer: Wählen Sie den Standort Ihres Unternehmens mit Bedacht. Firmensitze in Ballungszentren gehen meist einher mit einer höheren Gewerbesteuer.

Wie wird die Gewerbesteuer berechnet?

Woraus sich Ihre Gewerbesteuer zusammensetzt, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Ermittlung des genauen Betrags ist jedoch bei jeder Gemeinde gleich:

  1. Ihr Gewerbeertrag (= Ihr Gewinn) wird berechnet.
  2. Dieser wird mit einer Steuermesszahl von 3,5% multipliziert.
  3. Der dabei entstehende Steuermessbetrag wird in einem letzten Schritt mit dem individuellen Hebesatz multipliziert.
  4. Die Endsumme ist Ihre zu zahlende Gewerbesteuer.

Achtung: Bei Nicht-Kapitalgesellschaften (z.B. bei Einzelunternehmen) müssen Sie von Ihrem Gewerbeertrag einen Freibetrag von 24.500€ abziehen. Erst danach wird die resultierende Summe mit der Steuermesszahl und dem Hebesatz multipliziert.
Das heißt: Sollte Ihr Gewinn weniger als 24.500€ betragen, müssen Sie keine Gewerbesteuer zahlen.

(Quelle: https://dejure.org/gesetze/GewStG/11.html)

Keine Sorge, diese Rechnung sieht auf den ersten Blick komplizierter aus als sie ist. Sie als Gewerbebetreibender brauchen sich nur folgende Faustregel zu merken: Im Durchschnitt haben Sie mit einer Gewerbesteuer von 15% Ihres Gewinnes zu rechnen.

Betrifft die Gewerbesteuer auch Sie als Unternehmer?

Jetzt bleibt nur mehr die große Frage: Müssen auch Sie Gewerbesteuern zahlen?

Manche meiner Leser können an dieser Stelle aufatmen. Denn hier gilt: Für alle „freien“ Berufe (wie zum Beispiel Arzt, Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und ja, auch Steuerberater), fallen keine Gewerbesteuern an.

Die Steuer betrifft nur diejenigen, die einer gewerblichen Tätigkeit (in der Regel produzierende oder verarbeitende Betriebe) nachgehen. Zusätzlich muss für eine Gewerbesteuer Ihr Gewinn mehr als 24.500€ betragen.

Vorsicht: Eine GmbH wird immer als gewerblicher Betrieb angesehen. Es macht dabei auch keinen Unterschied, ob es sich zum Beispiel um eine Steuerberatungs-GmbH handelt. Ihnen als GmbH-Inhaber kommt zudem auch kein Freibetrag von 24.500€ zu.

So können Sie Ihre Gewerbesteuer senken

Zugegeben, diese Überschrift ist ein wenig waghalsig, da eine Gewerbesteuer nur in einzelnen Fällen gesenkt werden kann. Sollten Sie jedoch eine reine Grundstücksgesellschaft oder Vermögensverwaltungsgesellschaft besitzen, trifft dies auf Sie zu.

Die Höhe Ihrer Ersparnis hängt von der Auslegung Ihrer geschäftlichen Tätigkeit ab. Dabei kann ein erfahrener Steuerberater sogar einen vollständigen Erlass der Gewerbesteuer bewirken. Diese steuerlichen Ermäßigungen müssen jedoch individuell ermittelt werden und erfordern in der Regel professionelle Hilfe.

Mehr darüber können Sie in einem anderen Blogbeiträge von mir nachlesen: Entscheidungshilfe für Unternehmer: Vor- & Nachteile der wichtigsten Rechtsformen 

Fazit: Standort & Gewerbe bestimmen Höhe der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer betrifft die meisten Unternehmer und kann unterschiedliche Ausmaße annehmen. Eine Ermäßigung Ihrer Steuereinhebung ist dabei von Ihrem Firmensitz und der Ausrichtungsfrage Ihres Gewerbes abhängig. Die vollständige Befreiung von der Gewerbesteuer stellt eher den Ausnahmefall dar.

Ob und wie viel Steuern Sie an Ihre Gemeinde zahlen müssen, kann nur individuell ermittelt werden. Ich empfehle Ihnen daher, Ihre Pflichten als Gewerbetreibender vorab mit Ihrem Steuerberater zu besprechen.

Sollten Sie als Unternehmer noch Fragen zur Gewerbesteuer und Ihrer Zahlpflicht haben, können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular (hier klicken!) erreichen.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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