Vor- und Nachteile einer Holding

Holding: Wann ist sie von Vorteil und wann eine Gefahr für Ihre GmbHs?

Für viele Unternehmer klingt es zunächst verführerisch: mit einer Holding mehrere Firmen auf einmal zu kontrollieren. Doch ist es wirklich so einfach?

Natürlich gibt es neben den vielen Vorteilen einer Holding auch Gefahren, die Sie als Inhaber zu beachten haben. Ob diese überwiegen oder eine Holding für Sie dennoch sinnvoll ist, will ich Ihnen in diesem Beitrag zeigen.

Was ist eine Holding genau?

Eine Holding (oft auch als „Mutter“ bezeichnet) kann eine Personen- oder Kapitalgesellschaft sein und hält Gesellschaftsanteile von Kapitalgesellschaften. Diese werden dann gemeinhin als „Tochtergesellschaften“ bezeichnet.

Was die Mutter-Tochter-Beziehung einer Holding angeht, so gibt es vier verschiedene Modelle:

1.     Die Finanzholding

Diese Art der Holding definiert sich durch eine Beteiligung an Ihren Tochtergesellschaften, die sie verwaltet. Die Finanzholding übt dabei keinen Einfluss auf die Führung ihrer Töchter aus, sondern nimmt lediglich ihre Rechte als Anteilshabende wahr (z.B. bei Gesellschafterversammlungen, der Satzungsgestaltung etc.).

2.     Die Führungsholding

Die Führungsholding hingegen besitzt zumindest die einfache Mehrheit an ihren Tochtergesellschaften und gibt somit den Ton an. Die Töchter sind von dieser Art der Holding abhängig und werden von ihr wirtschaftseinheitlich geleitet.

3.     Holding, die Leistung an ihre Töchter erbringt

Es gibt auch Holdings, die Dienste für ihre Tochtergesellschaften leisten. So kann eine Holding zum Beispiel die Buchführung, Beratung etc. einzelner Tochter-GmbHs übernehmen.

4.     Holding mit einem eigenen Geschäft

Neben diesen Leistungen an Tochtergesellschaften kann eine Holding auch ein eigenes Geschäft führen. Ein Beispiel: Die eine Tochter-GmbH stellt Autos her, die andere Navigationssysteme. Die Holding selbst jedoch produziert Autoreifen. Weder das Geschäft der beiden Töchter noch das Geschäft der Holding stehen in unmittelbaren Zusammenhang miteinander. Alle drei Firmen könnten ihr Geschäft auch ohne das Geschäft der anderen erbringen. Die Funktion der Holding liegt dennoch bei der Steuerung der gemeinsamen Gewinne und Verluste zum Vorteil der Gruppe.

Diese 6 Vorteile bringt Ihnen eine Holding

Sollten Sie als Inhaber bzw. Geschäftsführer bereits mehr als eine GmbH besitzen (oder deren Mehrheit halten), lohnt sich die Gründung einer Holding. Durch diese kommen Ihnen 6 nützliche Vorteile zu, die Ihre Firmen wirtschaftlich besser positionieren:

Vorteil #1: 95% steuerfreie Gewinnausschüttungen

Wenn eine Holding gegründet wird geschieht dies oft aus steuerlichen Gründen. Das liegt daran, dass die Gewinnausschüttungen von GmbH-Töchtern zu 95% steuerfrei an die Holding gehen. Das trifft auf alle Holdings zu, die über keinen Gewinnabführungsvertrag verfügen.

Dagegen geht mit Gewinnabführungsvertrag der Gewinn einer Tochter zunächst zu 100% steuerfrei an die Holding. Diese übernimmt die Besteuerung und die Verrechnung mit etwaigen Verlusten aus der Gruppe.

Achtung: Der Gewinnabführungsvertrag klingt zwar verlockend, kann allerdings auch Probleme mit sich bringen. Sollte sich nämlich eine Tochter in finanziellen Schwierigkeiten befinden, können deren Verluste die Mutter (aufgrund der Verrechnung mit anderen Gewinnen) gefährden.

Die Holding ist automatisch Steuerschuldner für den Umsatz der gesamten Gruppe.

Vorteil #2: gemeinsame Besteuerung aller Gewinne und Verluste

Wenn man sich dieser letztgenannten Gefahr für die Mutter jedoch genau überlegt und seine Unternehmensgruppe risikoarm führt, kann daraus ein steuerlicher Vorteil erwachsen. Das heißt: Alle Gewinne und Verluste der Gesellschaften werden zusammengerechnet, bevor die Steuer davon abgezogen wird.

Ein Beispiel: A GmbH macht 100.000€ Gewinn und B GmbH macht 100.000€ Verlust. Würden beide einzeln versteuert werden, müsste die A GmbH Steuern zahlen. Nur die B GmbH würde aufgrund der Verluste keine Steuern zahlen. Gibt es aber eine Holding C GmbH, die von beiden 100% besitzt, so werden Gewinn der A GmbH und Verlust der B GmbH zusammengeführt und es werden insgesamt keine Steuern fällig.

Dank einer Holding werden also die Gewinne und Verluste der einzelnen Gesellschaften nicht mehr länger isoliert betrachtet.

Vorteil #3: Vermögensaufbau statt Gewinnausschüttung

Hiermit meine ich die sogenannte Thesaurierung. Keine Sorge, dieser Begriff klingt komplizierter als er ist: Gemeint ist mit Thesaurierung, dass Gewinne am Ende des Geschäftsjahres nicht ausgeschüttet werden, sondern innerhalb der Firma bleiben. Eine Holding ermöglicht Ihnen als Inhaber demnach neue Strategien für den Vermögensaufbau Ihrer Unternehmen.

Vorteil #4: Trennung der Risiken

Durch eine Holding können Sie die Risiken von Teilbetrieben auf verschiedene Tochter-GmbHs aufteilen. Das minimiert das Risiko auf die ganze Gruppe. Wäre es nur eine Firma mit mehreren Abteilungen, dann könnte ein schuldenmachender Bereich die anderen mit in finanzielle Probleme reiten.

Sollte also eine Tochtergesellschaft in Schieflage geraten, sind die anderen Unternehmen bei einer Holding davon nicht betroffen. Dennoch werden die Ergebnisse aller Firmen in der Holding über einen GAV zusammengehalten.

Vorteil #5: Imagefördernde Außenwirkung

Die Gründung einer Holding verschafft Ihnen als Inhaber bzw. Geschäftsführer zudem ein besseres Firmenimage. So können all Ihre Tochter-GmbHs von der positiven Außenwirkung der Holding profitieren.

Vorteil #6: Verhinderung einer verdeckten Gewinnausschüttung

Eine Holding behält den Überblick über alle Tochtergesellschaften. Auf diese Weise können steuerliche Risiken – wie zum Beispiel eine verdeckte Gewinnausschüttung – minimiert werden. Sie als Inhaber der Holding können unter anderem die Gewinne aller GmbHs zu 95% steuerfrei ausschütten oder damit Verluste einzelner Teilbetriebe ausgleichen.

Sollten Sie mehr zu verdeckten Gewinnausschüttungen erfahren wollen, empfehle ich Ihnen anderen Beitrag aus meinem Blog. Klicken Sie dazu einfach auf den folgenden Link: Verdeckte Gewinnausschüttung: So machen sich Gesellschaften und Gesellschafter strafbar

Gefahr: Mutter-Tochter-Abhängigkeit

Nach so vielen Vorteilen einer Holding muss ich Sie an dieser Stelle auch auf deren Gefahren hinweisen. Der größte Nachteil einer Holding ist die Abhängigkeit der Tochtergesellschaften.

Das bedeutet: Sollte die Existenz Ihrer Holding einmal bedroht sein, teilen die Töchter deren Schicksal. Selbst wenn die anderen GmbHs hohe Gewinne erzielen und gut am Markt positioniert sind, gehen sie mit der Muttergesellschaft unter.

Im Gegensatz zum Holding-Konstrukt, wären bei mehreren Schwestergesellschaften, die aber keiner Organschaft gehören, nicht alle GmbHs automatisch mitgefährdet, wenn eine in Schieflage gerät.

Weitere Gefahren ergeben sich bei der Gründung und Führung einer Holding. Diese habe ich bereits detailliert in einem anderen Artikel aus meinem Blog zusammengefasst. Zum Nachlesen klicken Sie bitte auf diesen Link: Gründung einer Holding: Diese 5 Punkte müssen Sie unbedingt beachten

Hier noch einmal im Überblick, welche 5 Punkte Sie bei einer Holding-Gründung zu beachten haben:

  1. Fünfjährige Mindestdurchführung der Ergebnisabführungsverträge
  2. Rechtsunsicherheiten bei Rechtsanwendungsfehlern
  3. Wegfall der Verlustnutzung
  4. Drohender Verlust der Organschaft durch Bilanzierungsfehler
  5. Falsch berechnete Mehrheiten

Fazit: Eine Holding ist immer sinnvoll für Inhaber mehrerer GmbHs

Sollten Sie mehrere GmbHs besitzen, erhalten Sie durch die Gründung einer Holding sowohl steuerliche als auch verwaltungstechnische Vorteile. Wichtig für Sie als Inhaber ist jedoch, dass Ihnen keine gravierenden Fehler unterlaufen. Denn sollte die Existenz Ihrer Holding gefährdet sein, trifft dies im selben Maße auch auf Ihre anderen Kapitalgesellschaften zu.

Ich empfehle Ihnen daher, die Vor- und Nachteile einer Holding genau abzuwägen, bevor Sie diese gründen. Am besten beraten Sie sich mit Ihrem Steuerberater Hamburg und rechnen mit diesem alle möglichen Szenarien durch.

Sollten Sie noch weitere Fragen zur Holding und deren Vor- und Nachteilen haben oder Beratung benötigen, können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular (hier klicken!) kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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