Verdeckte Gewinnausschüttung: So machen sich Gesellschaften und Gesellschafter strafbar

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Wissen Sie, was eine sogenannte verdeckte Gewinnausschüttung ist? Oder anders gefragt: Haben Sie persönlich schon Geld oder Leistungen von Ihrer GmbH erhalten, die eine fremde Person nicht erhalten hätte?

Wenn Sie auf die zweite Frage mit “Ja” geantwortet haben, dann könnten Sie sich bereits strafbar gemacht haben.

Unvorhergesehene Begünstigungen, wie zum Beispiel eine verdeckte Gewinnausschüttung, sind nämlich gesetzlich verboten und werden vom Finanzamt bestraft.

Für Gesellschafter wie auch Gesellschaften ist es wichtig, die nötigen Vorkehrungen gegen solche Geschäfte zu treffen.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag erklären:

Dieser Beitrag wurde am 28. Juli 2021 aktualisiert.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Die verdeckte Gewinnausschüttung (kurz: vGA) ist im Körperschaftssteuergesetz festgehalten und betrifft außernatürliche Ausschüttungen des Unternehmensgewinnes, die Gesellschaftern zukommen.

Kurz gesagt: Um eine vGA handelt es sich, wenn ein Gesellschafter auf Kosten der Firma Vorteile erhält (z.B. zu hohe Miets- oder Gehaltzahlungen), die eine fremde Person nicht bekommen würde (siehe § 8 Abs. 3 KStG).

In der Regel ist der Geschäftsführer für eine verdeckte Gewinnausschüttung verantwortlich. Konkret muss mindestens eines der folgenden 3 Kriterien erfüllt sein:

  1. Die Vermögensmehrung der Gesellschaft wird verhindert.
  2. Das Vermögen der Gesellschaft wird unrechtmäßig gemindert.
  3. Für die Zahlung bzw. Leistung liegt kein im Vorhinein geschlossener schriftlicher Vertrag vor.

Zugegeben: Für Sie klingt diese Definition vermutlich etwas abstrakt. Deshalb möchte ich Ihnen diese Regeln jetzt mit leicht verständlichen Praxisbeispielen erklären.

Verdeckte Gewinnausschüttung: 6 häufige Fälle einfach erklärt

Ein Großteil aller verdeckten Gewinnausschüttungen passiert unabsichtlich. Viele Unternehmer wissen schlichtweg nicht, dass bestimmte Vereinbarungen verboten sind.

Damit Ihnen das nicht passiert, habe ich die sechs häufigsten Fehler zusammengefasst:

1. Sie verkaufen Ihrer Gesellschaft einen Gegenstand zu einem überhöhten Preis

Achtung: Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens an Ihre Gmbh übertragen, muss der Wert dem ungefähren Marktwert entsprechen.

Ansonsten geht der Gesetzgeber davon aus, dass Sie sich auf Kosten Ihrer GmbH bereichtert haben.

Mein Tipp: Wenn Sie bei solchen Transaktionen ein Wertgutachten von einem Sachverständigen erstellen lassen, sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite.

2. Sie vermieten ein Gebäude oder ein Lager zu nicht marktkonformen Konditionen an Ihre GmbH

Bei der Vermietung eines Büros an Ihre Gesellschaft müssen Sie aufpassen: Hier gilt der gleiche Grundsatz wie beim oben erklärten Verkauf.

Die Miete muss den Marktpreisen entsprechen.

3. Sie bezahlen Ihre privaten Ausgaben mit dem GmbH-Konto und erstatten das Geld nicht zurück

Den Lebensmitteleinkauf schnell mit der Firmen- anstatt mit der eigenen Karte bezahlen? Keine gute Idee!

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie alle privaten Ausgaben immer von Ihrem persönlichen Konto bezahlen.

Das mag zwar manchmal ein bisschen aufwändiger sein, spart aber unterm Strich viel Ärger mit dem Finanzamt.

4. Sie zahlen sich nachträglich ein hohes Jahresgehalt aus

Zu Beginn des Geschäftsjahres legen Sie erstmal ein niedriges Gehalt fest, da Sie nicht wissen, wie das Geschäftsjahr laufen wird? Sie denken, dass Sie das Gehalt im Falle eines überdurchnittlichen Jahres ohnehin noch nachträglich anpassen können?

Davon rate ich Ihnen ganz klar ab. Legen Sie gleich zu Beginn ein realistisches Gehalt fest. Denn eine nachträglich Anpassung kann sehr schnell eine verdeckte Gewinnausschüttung sein.

5. Sie nutzen Ihr Firmenauto privat, ohne einen Überlassungsvertrag abzuschließen

Wenn Sie Ihr Firmenauto auch privat nutzen wollen, muss immer ein Vertrag abgeschlossen werden. Denn die private Nutzung eines Firmenautos ist ein sogenannter Sachbezug und muss auch besteuert werden.

Verwenden Sie das Firmenauto einfach so für private Fahrten, begehen Sie eine verdeckte Gewinnausschüttung.

6. Sie gewähren Ihrer GmbH einen Kredit der nicht den Marktkonditionen entspricht

Hier gilt wieder dasselbe Prinzip wie beim Verkauf oder bei der Vermietung: Wenn Sie eine Gesellschafter Fremdfinanzierung vornehmen, darf der Zinssatz nicht viel höher oder niedriger als der durchschnittliche Marktzinssatz sein.

Denken Sie immer daran: Wie viel würde ein unbeteiligter Dritter verlangen bzw. bezahlen?

Welche Strafen drohen Ihnen bei einer verdeckten Gewinnausschüttung?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung kann für Sie als (Mehrheits)-Gesellschafter bzw. Geschäftsführer und Ihre GmbH folgende Konsequenzen haben:

  1. Alle unrechtmäßigen Betriebsausgaben (zu hohe Mieten, zu hohes Gehalt, etc.) müssen rückgängig gemacht werden. Dadurch erhöht sich der Gewinn Ihres Unternehmens und Ihre Firma muss Gewerbe- und Körperschaftssteuern nachzahlen.
  2. Aus der verdeckten wird eine offene Gewinnausschüttung. Das bedeutet: Das Geld, dass Sie unrechtmäßig von Ihrem Unternehmen erhalten haben, muss mit Ihrem persönlichen Einkommenssteuersatz nachversteuert werden.

Das Worst-Case-Szenario: Ein Verfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung

Zusätzlich zu den hohen Steuernachzahlungen kann das Finanzamt in schweren Fällen Anklage gegen Sie erheben. Der Vorwurf: Versuchte Steuerhinterziehung.

Bei einer Steuerhinterziehung (egal ob vorsätzlich oder nicht) kann Sie als Geschäftsführer eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren erwarten. Der Grund dafür ist die sogenannte GmbH Geschäftsführerhaftung.

Im Rahmen dieser Haftung können Sie als Geschäftsführer persönlich für Fehlverhalten wie beispielsweise einer Steuerhinterziehung oder einer Steuerverkürzung verantwortlich gemacht werden.

So werden Minderheits-Gesellschafter durch eine verdeckte Gewinnausschüttung geschädigt

Während sich der Geschäftsführer oder Mehrheits-Gesellschafter direkt strafbar machen, hat eine verdeckte Gewinnausschüttung für Minderheitsgesellschafter andere wirtschaftliche Folgen.

Im Falle einer verdeckte Gewinnausschüttung durch den Mehrheitsgesellschafter wird nämlich der zu verteilende Gewinn der GmbH vermindert. Das heißt auch, dass der Gewinn-Anteil eines Minderheits-Gesellschafters geschmälert wird.

Das heißt: Da sich der Mehrheits-Gesellschafter unerlaubterweise bereichert hat, sinkt der Gewinn-Anteil des Minderheitsgesellschafters.

Beim Aufkommen einer verdeckten Gewinnausschüttung haben Sie als Minderheitsgesellschafter jedoch Anspruch auf Schadensersatz.

Wie Sie als Minderheitsgesellschafter in solch einem Fall am besten vorgehen, sollten Sie immer mit Ihrem Rechtsanwalt besprechen. Als Steuerberater darf ich Sie hierzu nicht rechtlich beraten.

Der Haken am Schadensersatz-Anspruch: Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist nicht immer zweifelsfrei zu beweisen. Kann dem Mehrheits-Gesellschafter nicht zweifelsfrei ein Fehlverhalten nachgewiesen werden, erhalten Sie keinen Schadensersatz.

Als Minderheitsgesellschafter sollten Sie deshalb auch Vorkehrungen treffen, damit es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommt. Möglichkeiten hierfür erfahren Sie weiter unten in diesem Blogbeitrag.

Welche weiteren Rechte Sie als Minderheitsgesellschafter haben und wie Sie sich in Ihrem Vertrag absichern können, habe ich Ihnen in einem eigenen Blogbeitrag zusammengefasst. Klicken Sie hier, um zu diesem Beitrag zu gelangen: https://www.steuerberatung-breit.de/so-sichern-sie-sich-mitbestimmungsrechte-als-gmbh-minderheitsgesellschafter/

Wie können Sie eine verdeckte Gewinnausschüttung verhindern?

Als redlicher Geschäftsführer einer Gesellschaft wollen Sie teure Nachzahlungen oder Gefängnisstrafen natürlich verhindern.

Das Problem: Trotz Ihres neu erworbenen Wissens ist das Risiko, dass Sie unwissentlich eine verdeckte Gewinnausschüttung begehen, ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen weiterhin hoch.

Da ich Sie nicht einfach so “im Regen stehen lassen” möchte, stelle ich Ihnen jetzt aber drei bewährte Wege vor, mit denen Sie Ihr Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung stark senken können.

Weg #1: Der Fremdvergleich

Bei einem Fremdvergleich handelt es sich um ein Richtmaß, mit welchem steuerliche Verhältnisse beurteilt werden.

Wie ein Fremdvergleich genau funktioniert, verrät schon der Name: Wenn Sie mit Ihrer Gesellschaft Geschäfte abschließen wird verglichen, ob auch eine fremde Dritte Person diese Konditionen erhalten hätte.

Hier möchte ich Ihnen nochmal ein ähnliches Beispiel wie oben in Erinnerung rufen:  Sie vermieten Ihrem Unternehmen ein Lager und erhalten dafür 1.000 Euro im Monat. Würden Ihnen ein Fremder, der ein Lager mit derselben Größe anmieten möchte, den gleichen Betrag zahlen?

Würde der Fremde maximal 600 Euro bezahlen, hält Ihr Geschäft mit Ihrem Unternehmen dem Fremdvergleich nicht stand. Um keine verdeckte Gewinnausschüttung zu begehen, müssen Sie den Mietvertrag anpassen.

Weg #2: Einhaltung der Formvorschrift

Ebenso hilfreich gegen eine verdeckte Gewinnausschüttung sind Formalitäten. Das heißt für Sie als Geschäftsführer:

  • Verfassen Sie immer schriftliche Vereinbarungen
  • Setzen Sie nur auf offene, überprüfbare Übereinkommen
  • Formulieren Sie alle Inhalte so klar wie möglich

Weg #3: Das Tax CMS

Als Steuerberater empfehle ich jeder Gesellschaft ein wirksames Kontrollsystem, wie zum Beispiel ein Tax CMS.

Mit diesem System werden alle Prozesse innerhalb Ihres Unternehmens festgehalten, die Ihre redlichen Absichten belegen.

Auf diese Weise kann das Finanzamt bei Unregelmäßigkeiten nicht mehr von einer verdeckten Gewinnausschüttung, beziehungsweise versuchter Steuerhinterziehung ausgehen.

Was ein Tax CMS genau ist und welche Vorteile es Ihnen als Unternehmer einbringt, habe ich in einem anderen Blogbeitrag von mir dargelegt.

Zum Nachlesen klicken Sie bitte einfach auf den folgenden Link: So schützt die Digitalisierung Sie als Unternehmer vor Vorwürfen der Steuerhinterziehung

Fazit: Seien Sie bei Geschäften mit Ihrer GmbH sehr vorsichtig…

Immer, wenn Sie mit Ihrer Gesellschaft Verträge abschließen oder sich Geld auszahlen, sollten Ihre Alarmglocken schrillen. Denn in genau diesen Situationen rutschen viele Unternehmer (ungewusst) in eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Auch wenn die verdeckte Gewinnausschüttung unabsichtlich passiert, drohen Ihnen empfindliche Steuernachzahlungen von mehreren Tausend Euro.

Das Positive: Mit einfachen Mitteln, wie z.B. dem Fremdvergleich oder dem internen Tax CMS, können Sie als Gesellschaft Geschäftsführer strafbare Ausschüttungen erfolgreich verhindern.

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie die drei im Beitrag vorgestellten Wege am besten umsetzen oder wie Sie sich sonst noch vor einer verdeckten Gewinnausschüttung schützen, können Sie mich gerne kontaktieren.

Sie können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 33 11), E-Mail (anfrage@steuerberatung-breit.de) oder meinem Kontaktformular (hier klicken!) erreichen.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

Foto: © Elnur – stock.adobe.com