Verdeckte Gewinnausschüttung

Verdeckte Gewinnausschüttung: So machen sich Gesellschaften und Gesellschafter strafbar

Wissen Sie, was eine sogenannte verdeckte Gewinnausschüttung ist? Hat Ihre Gesellschaft Ihnen schon einmal Vermögensvorteile zukommen lassen, die anderen Personen nicht zuteilwurden? Dann könnten Sie sich bereits strafbar gemacht haben.

Unvorhergesehene Begünstigungen, wie zum Beispiel eine verdeckte Gewinnausschüttung, sind vor dem Gesetz verboten und werden vom Finanzamt bestraft. Für Gesellschafter wie auch Gesellschaften ist es daher wichtig, die nötigen Vorkehrungen gegen solche Geschäfte zu treffen.

Auch als Minderheitsgesellschafter können Sie schnell im Fall einer verdeckten Gewinnausschüttung durch einen anderen Gesellschafter um Ihren gerechten Gewinn-Anteil gebracht werden.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag zeigen, was eine verdeckte Gewinnausschüttung überhaupt ist und wie Sie diese verhindern können.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Die verdeckte Gewinnausschüttung (kurz: vGA) ist im Körperschaftssteuergesetz festgehalten und betrifft außernatürliche Ausschüttungen des Unternehmensgewinnes, die Gesellschaftern zukommen.

Kurz gesagt: Um eine vGA handelt es sich, wenn ein Gesellschafter auf Kosten der Firma Vorteile erhält (z.B. zu hohe Miets- oder Gehaltzahlungen), die eine fremde Person nicht bekommen würde.

(Quelle: https://dejure.org/gesetze/KStG/8.html)

In der Regel ist der Geschäftsführer für eine verdeckte Gewinnausschüttung verantwortlich, indem seine Geschäfte folgenden 3 Kriterien erfüllen:

  1. die Verhinderung der Vermögensmehrung der Gesellschaft
    (z.B. ein privat genutzter Pkw eines Gesellschafters wird nicht korrekt versteuert)
  2. eine überhöhte Vermögensminderung
    (Bsp.: Ein Gesellschafter besitzt Büros oder Lager und vermietet diese der Gesellschaft zu einem überhöhten Preis)
  3. wenn kein im Vorhinein geschlossener schriftlicher Vertrag vorliegt
    (z.B. eine plötzliche Lohnauszahlung, weil der Unternehmensgewinn höher ausfällt, ohne dabei im Vorhinein das Geschäftsführergehalt erhöht zu haben.)

Das Gegenteil einer vGA:  Wenn alles bei der Ausschüttung korrekt vonstatten geht, handelt es sich um eine sogenannte „offene“ Gewinnausschüttung. Offen aus dem einfachen Grund, da es für diese einen rechtskonformen Beschluss gibt.

Wie eine offene Gewinnausschüttung auf die einzelnen Gesellschafter aufgeteilt wird, können Sie in einem anderen Beitrag meines Blogs nachlesen. Klicken Sie dafür einfach auf den folgenden Link:

Gewinnverteilung zwischen Gesellschaftern: Worauf Sie achten sollten

Folgen von verdeckten Ausschüttungen

Eine verdeckte Gewinnausschüttung bedeutet für jeden Beteiligten etwas Anderes. Generell betrifft sie die Gesellschaft selbst wie auch den dafür verantwortlichen (Mehrheits)-Gesellschafter.

Wenn Sie das Finanzamt bei einer verdeckten Gewinnausschüttung erwischt, bedeutet das zunächst, dass alle unrechtmäßigen Betriebsausgaben rückgängig gemacht werden. Dadurch werden die Ausgaben der Gesellschaft reduziert, da der besagte Betrag nun in den Unternehmensgewinn miteinfließt. Dessen Körperschaft- und Gewerbesteuer sind durch diese Korrektur nun erhöht worden und müssen von der Gesellschaft nachgezahlt werden.

Das bedeutet für den Gesellschafter: Die vGA ist nun wie eine offene Ausschüttung der privaten Einkommenssteuer des Gesellschafters unterworfen. Sie gehört zu seinen Einkünften aus dem Kapitalvermögen und wird dementsprechend besteuert.

Diese Gefahren erwarten Sie als Gesellschafter oder Geschäftsführer

Auch wenn der Begriff „verdeckte Gewinnausschüttung“ zunächst nicht negativ klingt, sind damit nur Nachteile verbunden.

Viel schlimmer sind natürlich (abgesehen von der Nachzahlung) die strafrechtlichen Konsequenzen: Das Finanzamt geht es automatisch von einer versuchten Steuerhinterziehung aus. Diese wird vom Gesetz her gleichgestellt mit einer gewollten und wissentlichen Steuerhinterziehung.

Bei einer Steuerhinterziehung (egal ob vorsätzlich oder nicht) kann Sie als Geschäftsführer eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren erwarten. Der Grund dafür ist die sogenannte GmbH Geschäftsführerhaftung.

Im Rahmen dieser Haftung können Sie als Geschäftsführer persönlich für Fehlverhalten wie beispielsweise einer Steuerhinterziehung oder einer Steuerverkürzung verantwortlich gemacht werden.

So werden Minderheits-Gesellschafter durch eine verdeckte Gewinnausschüttung geschädigt

Während sich der Geschäftsführer oder Mehrheits-Gesellschafter direkt strafbar machen, hat eine verdeckte Gewinnausschüttung für Minderheitsgesellschafter andere wirtschaftliche Folgen.

Im Falle einer verdeckte Gewinnausschüttung durch den Mehrheitsgesellschafter wird nämlich der zu verteilende Gewinn der GmbH vermindert. Das heißt auch, dass der Gewinn-Anteil eines Minderheits-Gesellschafters geschmälert wird.

Das heißt: Da sich der Mehrheits-Gesellschafter unerlaubterweise bereichert hat, sinkt der Gewinn-Anteil des Minderheitsgesellschafters.

Beim Aufkommen einer verdeckten Gewinnausschüttung haben Sie als Minderheitsgesellschafter jedoch Anspruch auf Schadensersatz.

Wie Sie als Minderheitsgesellschafter in solch einem Fall am besten vorgehen, sollten Sie immer mit Ihrem Rechtsanwalt besprechen. Als Steuerberater darf ich Sie hierzu nicht rechtlich beraten.

Der Haken am Schadensersatz-Anspruch: Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist nicht immer zweifelsfrei zu beweisen. Kann dem Mehrheits-Gesellschafter nicht zweifelsfrei ein Fehlverhalten nachgewiesen werden, erhalten Sie keinen Schadensersatz.

Als Minderheitsgesellschafter sollten Sie deshalb auch Vorkehrungen treffen, damit es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommt. Möglichkeiten hierfür erfahren Sie weiter unten in diesem Blogbeitrag.

Welche weiteren Rechte Sie als Minderheitsgesellschafter haben und wie Sie sich in Ihrem Vertrag absichern können, habe ich Ihnen in einem eigenen Blogbeitrag zusammengefasst. Klicken Sie hier, um zu diesem Beitrag zu gelangen: https://www.steuerberatung-breit.de/so-sichern-sie-sich-mitbestimmungsrechte-als-gmbh-minderheitsgesellschafter/

3 Wege, um verdeckte Gewinnausschüttungen zu vermeiden

Als redlicher Geschäftsführer einer Gesellschaft wollen Sie ein solches Szenario natürlich verhindern. Das Problem bei der verdeckten Gewinnausschüttung ist: viele begehen sie oft unwissentlich.

Meist geschieht dies einfach so: Ein Gesellschafter, Freund, Mitarbeiter etc. hat eine steuermindernde Idee. Leider kann Sie als Verantwortlicher die falsche Idee sogar ins Gefängnis bringen.

Um eine korrekte Gewinnausschüttung zu garantieren, können Sie daher auf folgende Mittel zurückgreifen:

Weg #1: Der Fremdvergleich

Bei einem Fremdvergleich handelt es sich um ein Richtmaß, mit welchem steuerliche Verhältnisse beurteilt werden können.

Wie ein Fremdvergleich genau funktioniert, verrät schon der Name: Ein spezieller Fall der Gesellschaft wird mit einem theoretischen verglichen, bei dem an einen fremden Dritten Entgelte ausgezahlt werden. So können Sie als Geschäftsleiter feststellen, ob Sie auch einer von der Gesellschaft unabhängigen Person denselben Betrag zukommen lassen würden.

Ein Beispiel:  Sie haben ein Lager von einem Gesellschafter gemietet und geben ihm für dieses 500€ im Monat. Würden Sie einem Fremden, der ein Lager mit derselben Größe anbietet, den gleichen Betrag auszahlen?

Weg #2: Einhaltung der Formvorschrift

Ebenso hilfreich gegen eine verdeckte Gewinnausschüttung sind Formalitäten. Das heißt für Sie als Leiter der Gesellschaft:

  • Verfassen einer schriftlichen Vereinbarung
  • ein offenes, überprüfbares Übereinkommen
  • klar formulierte Inhalte

Weg #3: Das Tax CMS

Als Steuerberater empfehle ich jeder Gesellschaft ein wirksames Kontrollsystem, wie zum Beispiel ein Tax CMS. Was ein Tax CMS genau ist und welche Vorteile es Ihnen als Unternehmer einbringt, habe ich in einem anderen Blogbeitrag von mir dargelegt. Zum Nachlesen klicken Sie bitte einfach auf den folgenden Link:

So schützt die Digitalisierung Sie als Unternehmer vor Vorwürfen der Steuerhinterziehung

Hier noch einmal in aller Kürze: Mit einem Tax CMS (Tax Compliance Management System) werden alle Prozesse innerhalb Ihres Unternehmens festgehalten, die Ihre redlichen Absichten belegen. Auf diese Weise kann das Finanzamt bei Unregelmäßigkeiten nicht mehr von einer verdeckten Gewinnausschüttung, beziehungsweise versuchter Steuerhinterziehung ausgehen.

Fazit: Lieber vorher informieren als bestraft werden

Sie sehen einen guten Jahresabschluss auf Ihr Unternehmen zukommen? Natürlicherweise denken Sie in einer solchen Situation über steuerschonende Regulierungsmaßnahmen nach. Allerdings sollte Sie nicht jede Idee sofort in die Tat umsetzen, sondern diese lieber überprüfen. Die Gefahr der verdeckten Gewinnausschüttung besteht und viele Geschäftsführer geraten in den meisten Fällen unwissentlich hinein.

Mit einfachen Mitteln, wie z.B. dem Fremdvergleich oder dem internen Tax CMS, können Sie als Gesellschaft Geschäftsführer strafbare Ausschüttungen erfolgreich verhindern. Am besten informieren Sie sich bei Ihrem Steuerberater, wie Sie sich und andere Gesellschafter vor versuchter Steuerhinterziehung schützen können.

Sollten Sie noch weitere Fragen zur verdeckten Gewinnausschüttung und deren Gefahren haben, können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 33 11), E-Mail (anfrage@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular (hier klicken!) kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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