Unternehmensverkauf (Teil 1): Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Träumen auch Sie schon von Ihrem erfolgreichen Unternehmensverkauf und dem wohlverdienten Ruhestand? Davon, einen seriösen Käufer zu finden, der Ihr Lebenswerk erfolgreich weiterführt und Ihre treuen Mitarbeiter gut behandelt? Und dabei erzielen Sie auch noch einen Verkaufspreis von dem Sie bequem leben können?

Von diesem Szenario träumen wohl alle Unternehmer, die ihr Unternehmen verkaufen und sich zur Ruhe setzen wollen.

Bevor es so weit ist, müssen Sie sich allerdings mit der Realität auseinander setzen. Und die sieht oft so aus: Streiterein bei der Unternehmensbewertung, jahrelange Verhandlungen mit Interessenten und Stress ohne Ende.

Das passierte auch einem meiner Klienten: Uneinigkeit mit dem potenziellen Käufer über den Verkaufspreis haben ihn schlussendlich ruiniert. Mehr zu diesem Fall erfahren Sie weiter unten.

Wie Sie ein solches Horror-Szenario beim Unternehmensverkauf vermeiden, erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag. Ich beschreibe für Sie leicht verständlich, wodurch gefährlich hohe Kosten beim Unternehmensverkauf entstehen können und wie Sie sich als Verkäufer davor schützen.

Diese Kosten entstehen beim Unternehmensverkauf

Viele Unternehmer nehmen an, dass beim Unternehmensverkauf der Käufer alle Kosten tragen muss. Das ist aber nicht richtig: Auch Sie als Verkäufer müssen sich beteiligen.

Genauer gesagt hat der Verkäufer beim Unternehmensverkauf 5 verschiedenen Kostenpositionen zu tragen:

  1. Kosten bei der Finanzierung
  2. Kosten für die Unternehmensbewertung
  3. Kosten für das Auditing (=Prüfung) der Geschäftsunterlagen
  4. Amtsgerichtskosten
  5. Kosten für Notar & Rechtsanwalt

Den größten Teil dieser Kosten verursacht in der Regel die Unternehmensbewertung. Zusammengerechnet mit den anderen Faktoren kann dann ein Betrag von bis zu 500.000€ entstehen. Wie solch ein hoher Betrag für Sie als Verkäufer zustande kommen kann, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Durch Unternehmensverkauf in die Pleite? Verkaufs-Kosten am Praxisbeispiel erklärt

Prinzipiell ist die Höhe der Kosten immer von beiden Parteien abhängig: dem Käufer wie auch dem Verkäufer. Was genau ich damit meine und inwiefern die Unternehmensbewertung dabei eine Rolle spielt, zeige ich Ihnen an einem realen Beispiel:

Einer meiner Mandanten wollte sein Unternehmen verkaufen. Um einen angemessen Preis für sein Lebenswerk zu erhalten, ließ er es zunächst bewerten. Das Problem dabei: sein Interessent empfand den berechneten Unternehmenswert als zu hoch. Er hatte Angst, am Ende zu viel für die Firma zu zahlen.

Das Ergebnis dieser verzwickten Geschichte: Es wurden insgesamt 33 Unternehmensbewertungen vorgenommen. Aus diesen Bewertungen entstanden 33 unterschiedliche Ergebnisse – Unternehmenswerte von 11-170 Millionen Euro.

Das Ganze kostete meinem Mandanten 350.000€. Er musste dafür all sein Vermögen aufbrauchen, sodass seine Firma pleite ging.

Am Ende profitierte nur der Käufer von dieser Uneinigkeit: Er kaufte die Firma günstig vom Insolvenzverwalter ab.

Die Lehre, die wir aus diesem Beispiel ziehen können ist folgende: Beharren Sie nicht zu hartnäckig auf Ihrer Wunschvorstellung.

Sollte das Kaufangebot begründeter Weise inakzeptabel sein, rate ich Ihnen die Verkaufsgespräche sofort abzubrechen. Widmen Sie sich lieber wieder dem Tagesgeschäft. Ewige Streitereien sind bei einem Unternehmensverkauf sinnlos.

Wenn beide Parteien zu beharrlich auf Ihrer Vorstellung bestehen, müssen sie das meist nicht nur mit Geld bezahlen. Auch psychisch müssen Sie als Verkäufer oft „draufzahlen“.

Ihr Unternehmensverkauf kann Sie auch Nerven & Lebenszeit kosten

Denn abgesehen vom möglichen finanziellen Super-GAU, müssen Sie sich als Verkäufer häufig auch noch mit weiteren Problemen herumschlagen:

  • Stress
  • strapazierte Nerven
  • verschwendete Lebenszeit
  • enttäuschte Hoffnungen

Ich weiß, das klingt vielleicht harmlos, aber stellen Sie sich folgendes vor:

Sie wollen Ihre Firma verkaufen und den Rest Ihres Lebens (mit einer ansehnlichen Rente) genießen. Die Verhandlungen mit Ihrem Käufer dauern nun schon Jahre. Sowohl der gebotene Kaufpreis, als auch die geforderten Bedingungen ändern sich mit jedem Gespräch. Mittlerweile wissen Sie als Verkäufer schon gar nicht mehr, worauf Sie sich wirklich verlassen können.

Dieses Szenario habe ich mir leider nicht aus dem Hut gezogen. Verkaufsverhandlungen können in der Tat bis zu 5 Jahre lang andauern. Das bedeutet für Sie als Inhaber: 5 Jahre voller Stress und Unsicherheit, ohne einen Fortschritt in den Verhandlungen zu erzielen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Unternehmensverkauf?

Pauschal kann ich Ihnen nicht sagen, welcher der ideale Zeitpunkt für den Unternehmensverkauf ist. Einen Anhaltspunkt liefert aber die Beantwortung der Frage: Kommen Sie mit dem möglichen Mindest-Verkaufspreis bis an Ihr Lebensende aus?

Lautet die Antwort darauf „ja“, so können Sie getrost Ihre Firma verkaufen – somit haben sie einen guten Zeitpunkt gefunden.

Lautet die Antwort „nein“, so sollten Sie mit dem Unternehmensverkauf noch warten.

Auf jeden Fall sollten Sie aber als Inhaber früh genug vorausplanen. Kalkulieren Sie so, dass der Verkaufspreis spätestens wenn Sie 60 oder 67 Jahre alt sind, für Ihr restliches Leben ausreicht.

Worauf Sie bei der Nachfolgeplanung außerdem achten sollten, habe ich Ihnen in einem ausführlichen Beitrag zusammengefasst. Klicken Sie dafür einfach auf den folgenden Link: Nachfolgeplanung: So sichern Sie sich und Ihre Kinder ab 

Fazit: Mit Gespür und Verhandlungsgeschick zum Erfolg

Bei einem Unternehmensverkauf kommt es stets auf die Einigkeit beider Parteien an. Sowohl Käufer als auch Verkäufer müssen bereit sein, Kompromisse einzugehen. Ansonsten werden bei den Verhandlungen nur Ihre Nerven strapaziert und Zeit verschwendet. Im schlimmsten Fall müssen Sie dann doch wieder einen neuen Käufer suchen.

Gehen Sie als Verkäufer daher clever vor, indem Sie bereits vorab die entgegenkommenden von den sturen Interessenten trennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei Letzteren zu einem positiven Kaufabschluss kommen, ist äußerst gering.

Mit diesem Beitrag möchte ich erfahrene Unternehmer wie Sie vor einer negativen Erfahrung so kurz vor dem Ruhestand bewahren.Wenn Sie also beim Unternehmensverkauf geschickt vorgehen, können Sie die anfallenden Kosten gering halten und von einem möglichst großen Gewinn profitieren.

Sollten Sie weitere Beratung zur Unternehmensnachfolge benötigen, stehe ich Ihnen auch gerne für ein persönliches Gespräch in meiner Hamburger Steuerberatungskanzlei zur Verfügung. Sie können mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular erreichen.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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