Vor- und Nachteile der UG

Die UG: Lohnende Alternative zur GmbH?

Mit nur 1 Euro Startkapital ein Unternehmen gründen? Das klingt für viele Start-ups sehr attraktiv. Eine UG (=Kurzform für Unternehmergesellschaft) macht es theoretisch möglich. Lohnt es sich wirklich? In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen die Vor- und Nachteile auflisten, damit Sie für sich entscheiden können, wie sinnvoll die UG für Ihre Unternehmenssituation ist.

#1 Was ist eine UG?

Bei einer UG handelt es sich um eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft. Sie wurde 2008 als deutsche Antwort auf die englischen Limited eingeführt und ist die kleine Schwester der GmbH, die sog. Mini-GmbH.

Zur Gründung benötigt man nur 1 Euro Stammkapital. Das ist auch der große Unterschied zur GmbH, ansonsten unterliegt die UG grundsätzlich den gleichen Gesetzen wie die GmbH (=Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung).

Die wichtigsten Gemeinsamkeiten sind:

  • Haftung
  • Gründung
  • Stammkapital und Geschäftsanteile
  • Gegenstand des Unternehmens
  • Erhaltung des Stammkapitals
  • Kredite von Gesellschaftern an die UG

Aufgrund des niedrigen Mindeststammkapitals können bei der UG keine Sacheinlagen eingebracht werden. Das Stammkapital muss bar und in voller Höhe bezahlt werden.

#2 Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Geringes Mindesthaftkapital: Rein theoretisch kann eine UG mit nur 1 Euro Haftkapital gegründet werden. Bedenken Sie jedoch, dass zusätzlich noch Notar- und Gerichtskosten zum Tragen kommen. Deshalb müssen Sie mit mind. 1000 Euro rechnen!

Achtung: Als Haftungsrisiko besteht die Durchgriffshaftung. Das heißt: Sie haften als Person persönlich für einen entstandenen Schaden, obwohl Ihre GmbH eine Haftungsbeschränkung besitzt! Einen anschaulichen Beitrag zu dem Thema haben wir ebenso für Sie verfasst: https://www.steuerberatung-breit.de/gmbh-ug-kg-ag-welche-haftungsrisiken-haben-sie-als-unternehmer/

  • Betriebliche Altersvorsorge: Die Gründung einer UG bietet Ihnen die Möglichkeit der Altersabsicherung.
  • Regelung der Unternehmensnachfolge: Die Unternehmensnachfolge ist bei einer UG gut zu regeln, da ein „dingliches Recht“ (=betrifft die rechtliche Zuordnung von Sachen zu Personen. z.B. Eigentum) vererbt wird. Das bedeutet: Sie können bei einer UG aktiv mitbestimmen, wie etwas verteilt wird. Bei Personengesellschaften (z.B. GbR) hingegen müssen alle beteiligten Personen einverstanden sein.
  • Günstige Umwandlung: Wenn Sie bereits eine UG besitzen, ist es sehr billig, diese in eine GmbH umzuwandeln. Sie haben sozusagen eine Plattform für andere Kapitalgesellschaften geschaffen.

Nachteile

  • Hoher administrativer Aufwand: Durch die UG haben Sie einen hohen administrativen Aufwand. Sie müssen mit erhöhtem Formalismus (=doppelte Buchhaltung), höheren Steuerberatungsaufwand, eigene Gehaltsabrechnung (=Zusatzkosten für Lohnbuchhalter), etc. rechnen.
  • Höhere steuerliche Gestaltung: Der Steuersatz liegt bei einer Vollausschüttung bei 48% (Körperschaft- Gewerbe- und Einkomensteuer). Bei NICHT-Kapitalgesellschaften liegt er höchstens bei 42 (45% bei Reichensteuer) – quasi inklusive Gewerbesteuer. Das heißt: Bei einer UG wird der normale Steuersatz bereits bei kleinen Gewinnen getoppt!

Außerdem gilt es zu beachten: Als Geschäftsführer einer UG dürfen Sie Ihre Gewinne nicht voll ausschütten. Das heißt: Jährlich müssen Sie 25% Ihrer Gewinne zurücklegen. Auch wenn das Mindeststammkapital der klassischen GmbH (=25.000 Euro) schon erreicht ist. Sie können nur von einer 25%igen gesetzlichen Kapitalrücklage absehen, wenn Sie in eine GmbH umgewandelt haben. Ansonsten läuft die Verpflichtung immer weiter.

  • Schlechte Bonität: Das geringe Stammkapital kann die Bonität Ihres Unternehmens beeinflussen. Ihre seriöse Außenwirkung leidet darunter und Banken sowie Vertragspartner stehen ihnen misstrauisch gegenüber.
  • Keine ultimative Haftungsbeschränkung: Die beschränkte Haftung kann durch Finanzamt oder durch Bank-Bürgschaften durchbrochen werden.
  • Sehr hohe Jahressabschlusskosten und Veröffentlichungspflicht: Sie müssen mit sehr hohen Jahresabschlusskosten und entsprechenden Veröffentlichungspflichten rechnen.

Ihnen fehlt der Vergleich mit anderen Unternehmensformen? Wie haben die gängigsten in Deutschland in einem Artikel für Sie gegenübergestellt: https://www.steuerberatung-breit.de/entscheidungshilfe-fuer-unternehmer-vor-nachteile-der-wichtigsten-rechtsformen/

#3 Der richtige Zeitpunkt

Meiner Erfahrung nach ist niemals der richtige Zeitpunkt für eine UG. Ich empfehle Ihnen mit einem Einzelunternehmen zu beginnen. Sobald sich Erfolg einstellt, können Sie es direkt in eine GmbH umwandeln.

Ausnahme: Haftungsrisikoreiche Unternehmen

Eine UG-Gründung kann meiner Meinung nach in 2 Fällen Sinn machen:

  1. Bei Unternehmen, die gefährliche Arbeiten durchführen (z.B. Hochbau).
  2. Bei Arbeiten, wo mit schwerwiegenden Unfällen zu rechnen ist.

Bevor Sie sich aber darin einordnen, empfehle ich Ihnen, sich gründlich beraten zu lassen. Es könnten andere Faktoren ausschlaggebender sein.

Fazit: Die UG ist theoretisch vielversprechend, aber selten praxisnah

Wie Sie sehen, klingt die UG in der Theorie vielversprechend (1 Euro Gründungskapital), doch in der Praxis zahlt sie sich nur selten aus.

Grundsätzlich unterliegt sie den gleichen Regelungen und Gesetzen der GmbH, bringt aber erhebliche Nachteile (Besteuerung, administrativer Aufwand, miese Bonität, etc.) mit sich.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Beitrag die Vor- und Nachteile der UG aufzeigen und Ihnen verständlich erklären, ob die Gründung einer UG bzw. eine Unternehmensumwandlung wirklich sinnvoll ist. Möchten Sie wissen, ob die UG speziell in Ihrer Situation Sinn macht UND Sie eine weiterführende Beratung zu Ihren unternehmerischen Herausforderungen benötigen, so können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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