Unternehmer ist ratlos wegen Rechtsform

Entscheidungshilfe für Unternehmer: Vor- & Nachteile der wichtigsten Rechtsformen

Die Frage der richtigen Rechtsform wirkt sich auf das Image, die Haftung, die Altersabsicherung und den steuerlichen Aufwand aus. Daher habe ich Ihnen die Vor- und Nachteile der wichtigsten Rechtsformen in Deutschland in diesem Beitrag zusammengefasst.

Um Ihnen eine zusätzliche Entscheidungshilfe zu erleichtern, möchte ich Ihnen meinen ersten Artikel zu diesem Thema ans Herz legen. Darin erkläre ich Ihnen, welche Überlegungen für die Wahl der passenden Rechtsform ausschlaggebend sein sollten. Klicken Sie auf den folgenden Link, um zum Beitrag zu gelangen: https://www.steuerberatung-breit.de/entscheidungshilfe-fuer-unternehmer-welche-rechtsform-ist-die-richtige/

Rechtsform #1: Einzelunternehmen

Vermutlich die meisten Unternehmen in Deutschland haben als Einzelunternehmen angefangen. Oft verlangt erst die positive Entwicklung eines Unternehmens irgendwann die Unternehmensumwandlung in eine andere Rechtsform.

Um zu wissen, wann Sie als Einzelunternehmen gründen sollten oder wann Sie keine Unternehmensumwandlung benötigen, haben wir Ihnen eine kleine Liste zusammengestellt.

Vorteile Einzelunternehmen:

  • Keine Insolvenzverschleppung möglich: Insolvenzverschleppung ist ein Straftatbestand. Dieser kann aber auch aus Unwissenheit begangen werden. Mit einer Einzelunternehmung ist das gar nicht möglich, da es keine Haftungsbegrenzung gibt.
  • Geringer Formalismus
  • Geringer administrativer Aufwand

Nachteile Einzelunternehmen:

  • Volle Haftung: Im Gegensatz zu einer GmbH haften Sie beim Scheitern Ihres Einzelunternehmens mit Ihrem vollen Privatvermögen für eventuell entstandene Schäden.
  • Geringes Image: Einzelunternehmen haben nicht die gleiche seriöse Außenwirkung wie größere Kapitalgesellschaften.
  • Weniger Möglichkeiten für die Altersvorsorge
  • Gehalt des Inhabers ist nicht steuernmindernd: Die Einnahmen abzüglich der Ausgaben ergeben den Gewinn vor Steuern. Während bei einer Gesellschaft noch das Gehalt des Inhabers steuermindernd wirkt, zählen vergleichbare Entnahmen bei einem Einzelunternehmen nicht als gewinnmindernde Ausgaben.

Rechtsform #2: GmbH

Die deutsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist weltweit älteste Form der haftungsbeschränkten Kapitalgesellschaft. In Deutschland ist es auch gleichzeitig die beliebteste Form für Kapitalgesellschaften. Es wird vermutet, dass es mehr als 1 Million GmbHs in der Bundesrepublik gibt.

Nur weil diese Rechtsform besonders beliebt unter heimischen Unternehmern ist, heißt das aber noch lange nicht, dass sie auch für alle Unternehmer die passende Rechtsform ist. Ich habe Ihnen die Vor- und Nachteile im Folgenden wieder zusammengefasst.

Vorteile GmbH:

  • Haftungsbegrenzung: Mit der Einzahlung oder Sacheinbringung des Haftkapitals (auch Stammkapital genannt) ist die Außenhaftung des Unternehmers grundsätzlich erledigt. Das heißt: Sie haften nicht mit Ihrem Privatvermögen. Allerdings gibt es Ausnahmen: 1. Nicht gerechte Verewendung von liquiden Mitteln, 2. Insolvenzverschleppung, 3. Steuerhinterziehung, 4. Steuerverkürzung und 5. eventuell Bürgschaften gegenüber Banken.
  • Besseres Image: Auch wenn die 4 Buchstaben im Firmennamen grundsätzlich nichts über Ihre Arbeitsleistung aussagen, so genießen GmbHs nach außen hin in der Regel ein höheres Ansehen als ein Einzelunternehmen.
  • Eröffnung von 5 Wegen der betrieblichen Altersvorsorge (inklusive Vorteile für die Absicherung der Familie)
  • Steuerminderndes Inhabergehalt: Erhält der Inhaber ein Gehalt von der GmbH, so wirkt das gewinn- und somit auch steuermindernd.

Nachteile GmbH:

  • Erhöhter Formalismus: Sie benötigen fortan für jeden Vorgang Gesellschafterbeschlüsse, einen Gesellschaftsvertrag, höhere Gründungskosten, Geldentnahmen sind nicht erlaubt uvm.
  • hoher administrativer Aufwand (doppelte Buchführung etc.)

Rechtsform #3: GmbH & Co. KG

Die GmbH & Co. KG könnten Sie wählen, wenn Sie auf bestimmte Vorteile aus dem Einzelunternehmen und der GmbH gleichzeitig Wert legen.

Grundsätzlich ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co Kommanditgesellschaft (GmbH & Co. KG) eine Sonderform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), der offenen Handelsgesellschaft (oHG) bzw. der Kommanditgesellschaft (KG).

Anders als bei einer typischen KG ist der persönlich und unbegrenzt haftende Gesellschafter (der Komplementär) aber keine natürliche Person, sondern eine GmbH.

Die Vor- und Nachteile einer GmbH & Co. KG habe ich für Sie an dieser Stelle zusammengefasst.

Vorteile GmbH & Co. KG:

  • Haftungsbegrenzung wie bei einer GmbH
  • Die Eröffnung aller fünf möglichen Wege der Altersvorsorge inklusive der Vorteile für die Absicherung der Familie ist gesaltbar: Auch wenn es nicht im Grundsatz dieser Rechtsform vorliegt, kann die betriebliche Altersvorgorge gestaltet werden.
  • Maximale Steuerbelastung von 42 bzw. 45 Prozent (sogenannte Reichensteuer)
  • Gewerbesteuer wirkt einkommenssteuermindernd
  • Geldentnahmen sind erlaubt

Nachteile GmbH & Co. KG:

  • Schwaches Image: Diese Rechtsform wurde in den 80er-Jahren teils betrügerisch verwendet. Obwohl dies seit Jahrzehnten nicht mehr möglich ist, hängt der Rechtsform noch dieser Ruf nach.
  • Inhabergehälter sind nicht gewinnmindernd: Gehälter der sogenannten Mitunternehmer (der Inhaber) mindern grundsätzlich nicht den Gewinn, können aber im Einzelfall gestaltet werden.
  • Erhöhter Formalismus: Sie benötigen fortan für jeden Vorgang Gesellschafterbeschlüsse, einen Gesellschaftsvertrag, höhere Gründungskosten uvm.
  • hoher administrativer Aufwand (doppelte Buchführung etc.)

Rechtsform #4: GmbH & atypisch still

Die atypisch stille Gesellschaft (oder GmbH& atypisch still) bezeichnet eine GmbH mit einem stillen Teilhaber. Diese ist atypisch, wenn der stille Gesellschafter nach außen hin still ist, allerdings bereits aktiv als Unternehmer im Innenverhältnis mitgestaltet.

Der atypisch stille Gesellschafter ist dann am Gewinn, am Verlust und an den stillen Reserven beteiligt und trägt damit das Unternehmerrisiko mit. Dieses Modell wird vor allem in der Erbnachfolgeplanung als „Anwachsmodell“ für die künftigen Erben eingesetzt. Diese werden zunächst nur schwache Gesellschafter ohne Außendarstellung.

Die Vor- und Nachteile ähneln sehr stark jenen der GmbH & Co. KG, unterscheiden sich jedoch in ein paar wenigen Punkten.

Vorteile GmbH & atypisch still:

  • Umwandlung in GmbH & atypisch still passiert ohne Verlust der Außenwirkung. Die GmbH im Firmennamen bleibt unverändert. Es verändert sich nur das Innenverhältnis. Das ist sehr interessant, weil man die Vorteile genießen kann, ohne dass es jemand von Außen sieht.
  • Gut geeignet für Unternehmensnachfolgeplanung
  • Haftungsbegrenzung wie bei einer GmbH
  • Die Eröffnung aller fünf möglichen Wege der Altersvorsorge inklusive der Vorteile für die Absicherung der Familie ist gestaltbar: Auch wenn es nicht im Grundsatz dieser Rechtsform vorliegt, kann die betriebliche Altersvorgorge gestaltet werden.
  • Maximale Steuerbelastung von 42 bzw. 45 Prozent (sogenannte Reichensteuer)
  • Reduzierung der Einkommen- und Gewerbesteuer (auf Antrag) auf zusammen rund 28%. (Thema: Familienholding)
  • Ohne Antrag (siehe Punkt davor), wirkt die Gewerbesteuer aber sowieso Einkommenssteuermindernd
  • Es gibt keine steuerschädliche verdecktet Gewinnausschüttung mehr
  • Inhabergehälter sind durchaus auch gewinnmindernd (nicht „per se“, aber Möglichkeiten sind gestaltbar)

Nachteile GmbH & atypisch still:

  • Erhöhter Formalismus: Sie benötigen fortan für jeden Vorgang Gesellschafterbeschlüsse, einen Gesellschaftsvertrag, höhere Gründungskosten, Geldentnahmen sind nicht erlaubt uvm.
  • hoher administrativer Aufwand (doppelte Buchführung etc.)

Rechtsform #5: KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien)

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) vereint Elemente der Aktiengesellschaft (AG) und der Kommanditgesellschaft (KG). Es handelt sich dabei um eine Aktiengesellschaft, die anstelle eines Vorstands über persönlich haftendende Gesellschafter (die Komplementäre) verfügt. Deren Anteile sind wiederum in Aktien zerlegt.

Die Form der KGaA ist vor allem für die Erbnachfolgeplanung bei umfangreichen Familien- und/oder Betriebsvermögen geeignet. Die Besteuerung ist völlig anders als bei einer GmbH oder eine GmbH & Co. KG. Sie ist aber auch nicht schlechter gestellt.

Was auf den ersten Blick hier besonders kompliziert klingt, muss im Einzelfall errechnet und spezifisch gestaltet werden.

Für den Erblasser bietet diese Form besondere Vorteile: Er behält sein ungebrochene „Machtstellung“ solange er will, obwohl er seinen Erben bereits Anteile an seinem Vermögen (in Form von Aktien) gewährt.

Gleichzeitig ist die Unternehmensnachfolge- und Erbnachfolge für unerwartete Zwischenfälle (Todesfall, Arbeitsunfähigkeit etc.) aber auch schon geregelt. Das ganze Konstrukt kann dadurch zivilrechtlich sehr interessant sein und ist in Fällen großer Vermögenswerte besonders beliebt.

Fazit: Vergleichen & Kalkulieren schafft Sicherheit

Wie Sie sehen, gilt es bei der Entscheidung der Rechtsform vieles zu bedenken. Die Kenntnis der Vor- bzw. Nachteile kann Ihnen bei einer Unternehmensumwandlung bzw. bei der Ausgestaltung Ihrer Erbnachfolgeplanung viel Sicherheit verschaffen.

Mein Ziel mit diesem Beitrag war es, Ihnen die Unterschiede zwischen den Rechtsformen näher zu bringen. Dadurch sollten Sie einen ersten Eindruck gewinnen, in welche Richtung es für Sie bei der Gründung, der Umwandlung oder der Nachfolgeregelung gehen kann.

Sollten Sie zum Thema Rechtsform noch offene Fragen haben oder weiterführende Beratung benötigen, so können Sie mich jederzeit via Telefon (+49 40 44 03 03), E-Mail (t.breit@steuerberatung-breit.de) oder Kontaktformular kontaktieren.

Herzlichst,

Ihr Thomas Breit

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